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Full text of "Idioticon Rauracum"

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'OTTO -BREMER- 





JOHANN JACOB ^SPRENGS 

IDIOTICON RAURACUM 



Bearbeitet 



Adolf Socin 



Abs Birlinicers Alemannia 



BONN 1888 
Verlag von P. Hanstein 



PRESERVATIOM 
COPX-AOOEr 




BREMER 



IB89 



Unter den Sammlungen des mundartlichen Wortschazes 
im vorigen Jarhundert gehört das „Idioticon Bauracum oder 
Basel. Wörterbuch" von Johann Jacob Spreng, ein unter den 
Handschriften der Universitätsbibliothek zu Basel sub A A I 3 
aufbewarter, schön und kräftig geschribener starker Foliant, 
zwar nicht zu den bekannteren, sicherlich aber zu den besten. 
— Die erste Nachricht darüber gibt Peter Ochs im ersten 
Bande seiner Geschichte der Stadt und Landschaft Basel (1786), 
wo er S. 18—21 den baslerischen Dialekt durch einige Proben 
zu karakterisieren sucht: „Der Professor Spreng soll eine zahl- 
reiche CoUection über unsem Dialekt hinterlassen haben. Ich 
besorge nur, daß er bei Sammlung derselben zu sehr in das 
System einer allgemeinen europäischen [Orundl Sprache ein- 
genommen war." (Auch von Ochs besizt die Basler Univer- 
sitätsbibliothek eine handschriftliche „Kleine Sammlung von 
Provincialwörtem, wie sie in unserer Vaterstadt im gemeinen 
Leben gebraucht und gesprochen werden. Basel 1782.") — 
Stalder (1812) hatte Kunde von der Arbeit Sprengs, aber der 
von den Erben eifersüchtig gehütete Schaz war im nicht zu- 
gänglich, und so ist derselbe erst in neuester Zeit für die 
Wißenschaft fruchtbringend geworden, einmal durch die Ver- 
wertung seitens der Bearbeiter des Schweizerischen Idiotikons, 
sodann in Seilers „Basler Mundart." Da aber Lezterer den 
Spreng erst wärend des Druckes und nur in der zweiten Hälfte 
seines Werkes benuzen konnte, und er im Idiotikon unter der 
Masse des übrigen Materials verschwindet, dürften zusammen- 
hängende Mitteilungen aus dem originellen Werke nicht un- 
willkommen sein. Auch eine zukünftige Hebelausgabe, wie die 
Götzinger'sche, wird aus der Sprengschen Handschrift manche 
Aufhellung schepfen können. 

Johann Jacob Spreng war geboren am 31. Dec. 1699 zu 
Basel. Von gewecktem Geiste durchlief er schnell die Schulen 
seiner Vaterstadt und widmete sich dann dem Studium der 
Theologie. Als Hauslerer beim wirtembergischen Gesandten 
in Wien wurde er 1724 Karl VI vorgestellt und von im für 
ein deutsches Gedicht zum kaiserlichen Poeten gekrönt. Nach- 
her war er Geistlicher verschidener Befugiantengemeinden 
im Wirtembergischen und in der Pfalz. 1746 kehrte er blei- 
bend nach Basel zurück, nachdem im schon 1743 der Bat den 
neu creierten Titel eines außerordentlichen Profeßors der Elo- 
quenz und der deutschen Poesie verlihen hatte. 1754 über- 
nam er das Fach der Geschichte, 1762 die Profeßur des Qrie- 



Ivia50041 



chischen. öerümt wird seine in diser Disciplin beobachtete 
faßliche und klare Lermethode. Er starb den 24. Mai 1768. — 
Ochs (Gesch. d. St. u. Landsch. Bas. Vm [1822] S. 82/83) sagt 
von im : „Er hatte viel Witz, und sein Witz war oft etwas 
beißend. Er ist auch der einzige deutsche Dichter, den Basel 
aufweisen kann. Seine Uebersetzung der Psalmen ist bekannt. 
Es befinden sich aber unter seinen hinterlassenen Handschriften 
mehrere Gedichte von hohem Werth. Sein Vater, Lehrer am 
Gymnasium, hat sich um die Schreibkunst so verdient gemacht, 
daß noch die Sprengische Schreibart allen andern vorgezogen 
wird.« 

Aus der langen Reihe der Werke Sprengs: geistliche Ge- 
dichte, historische und philologische Abhandlungen, welche die 
Biographie in den Athenae Rauricae (Basel 1778, 11 386) aufzält, 
kommen für den Sprachforscher in Betracht: Der Eidgenoß, 
eine moralische Wochenschrift, 1749, und Specimen Glossarii 
teutonici 1759, „opus ingens atque multiplici eruditione refer- 
tum, pluribus voluminibus constans." — Spreng war Mitglid 
der Deutschen Gesellschaften zu Leipzig, Göttingen und Bern 
und hatte eine solche auch zu Basel gestiftet in Gemeinschaft 
mit seinem Freunde DroUinger, dessen Gedichte er 1743 heraus- 
gab. Hier spricht er den Wunsch aus, es möchten die bas- 
lerische und die Bemer Gesellschaft sich vereinigen, um die 
den Schweizern eigenen und geübten Deutschen anstößigen 
Wörter und Redensarten zusammenzutragen und mit beige- 
fügter reiner Verdeutschung unter dem Namen eines helveti- 
schen Wörterbuchs seinerzeit herauszugeben. Aus einer An- 
merkung erfaren wir, daß DroUinger und Spreng sich darüber 
stritten, ob man neben Oel auch das Oele sagen dürfe. Spreng 
fügt bei: „Dergleichen grammaticalische Zweifel zeigen die 
Notwendigkeit eines kritischen deutschen Wörterbuches sowohl 
für die Deutschen überhaupt, als auch insbesondere für die 
Schweizer, Schwaben, FrarSken u. dgl." Hier haben wir mithin 
wol den Ausgangspunkt der lexikographischen Arbeiten 
Sprengs zu suchen. 

Im „Eidgenoß" und seiner Fortsezung in den fünfziger 
Jaren, dem „Helvetischen Patriot," wird ein änlicher Ton 
angeschlagen. Spreng streitet gegenüber der Sprachrichterei 
der Obersachsen für das gute Recht der Schweizer, welche 
noch eine schöne Anzal kraftvoller Ausdrücke haben, die man 
zur Ere der deutschen Sprache in Schwung bringen sollte. 

Mit dem „Vorschlag eines allgemeinen deutschen Glos- 
sarii," 1759, hat es folgende Bewandtnis: Nach der Vorbe- 
merkung soll es eine Sammlung keltischer, gotischer, alt- 
fränkischer, angelsächsischer, langobardischer und alemanni- 
scher ürwörter aus den alten Gesezen, Gedichten, Urkunden, 
Wörterbüchern und andern Schriftstellern, sowie der alten 
germanischen Namen sein. „Endlich wird man zur Bereiche- 
rung unserer Sprache die in Vergessenheit geratene Kraft- 



und Stichwörter und reiche Atisdrüokö unserer Altvordern be- 
merken wie auch neuere Kunstwörter und andere bündige 
Redensarten, die man in den gewöhnlichen Wörterbüchern ver- 
geblich sucht. Desgleichen sollen verschiedene in den ober- 
ländischen Schriften und Kanzleyen noch übliche, aber ver- 
werfliche Wörter und Redensarten, damit sich ein reiner 
Schriftsteller davor hüte, eingerückt werden. Mit einem Wort, 
man wird Alles anwenden, daß das vorgeschlagene Werk nicht 
nur ein trockenes Wörterbuch abgebe, sondern mit annehm- 
li<5hen und merkwürdigen Auszügen durchaus versehen und 
nicht nur den Sprachforschem, sondern überhaupt auch allerlei 
Gelehrten, Standspersonen, Kanzleybeamten und Liebhabern 
schöner Wissenschaften nützlich und gleichsam unentbehrlich 
werde. Aus dieser Ursache wird man sich eine besondere 
Pflicht daraus machen, das Werk durchgehends so einzurichten, 
daß es von allerlei Glaubensgenossen in dem römischen Reiche 
ohne Anstand und mit Vergnügen gelesen werden könne. ** 
Das Wörterbuch sollte also gleichzeitig ein historisches und 
ein kritisches sein. Die für die Drucklegung erforderliche 
Anzal von Subscribenten scheint sich aber nicht gefunden zu 
haben. Spreng berechnete das Werk auf fünf oder sechs Teile, 
jeden zu mindestens 130—140 Bogen, und disem Umfang, der 
dem für das Grimmische Wörterbuch ursprünglich geplanten 
gleichkommt, entsprechen die ebenfalls auf der Basier Biblio- 
thek noch aufbewarten, zum kleinem Teil ausgearbeiteten 
CoUectaneen. Von älteren Schriftstellern sind u. a. ausge- 
zogen Tatian, Otfrid, Notker, Wolfram von Eschenbach, Boner, 
Stumpf, Seb. Frank, Gesner, Cysat. Die für des Verfassers 
Zeit anerkennenswerte Wörtersamm^fing aus den altgermani- 
schen Dialekten, namentlich aber seine krausen Etymologien 
sind natürlich heute gänzlich veraltet; für Denjenigen, der die 
Mühe nicht scheut, den Wust durchzuarbeiten, mag die Samm- 
lung immerhin an Ausdrücken der älteren Amts- und Hand- 
werkersprache noch manche Ausbeute sowie Belerung gewären 
über die sprachkritischen Anschauungen des vorigen Jar- 
hunderts. 

Das Idiotikon Eauracum, zu welchem wir uns jezt wen- 
den, ist in dem Verzeichnisse der Athenae Rauricae nicht 
aufgefürt, und auch die Handschrift selbst enthält weder direct 
noch indirect eine Notiz, aus der die Zeit der Abfaßung resp. 
der Zusammenstellung sich ergäbe. In Folge des Umstandes 
aber, daß merere Idiotismen augenscheinlich aus dem Helve- 
tischen Patriot, der einige Dialektproben bringt, geschepft sind, 
können wir die Entstehung der Sammlung in die fünfziger 
und sechziger Jare sezen, villeicht ist sie auch erst nach dem 
Feischlagen des allgemeinen Wörterbuchs entstanden und, da 
Spreng irer nirgends erwänt, kurz vor seinem Tode abge- 
schloßen worden (das Werk ist von A bis Z vollständig und 
gleichmäßig ausgearbeitet). Wir werden also wol das Richtige 



treffen, wenn wir, um eine runde Zal anzunemen, das Idioti- 
conRauracum praeter propter auf 1760 datieren. — Und nun 
zu dessen Inhalt selbst. Wir haben daraus systematisch aus- 
gezogen und geben im Folgenden wider: 1 Die Wörter, 
welche sich beziehen auf Sitten, Oehräticke und Aberglanben, 
sowie Ausdrücke und Redensarten, welche für die Denkweise 
der Basler des vorigen Jarhunderts besonders bezeichnend 
sind. In dise Rubrik gehört also die Sprache der Handwerke 
und Gewerbe: Bäcker, Gerber, Mezger, Rebleute, Schiffleute, 
Schuhmacher, Weber, Kaufleute etc., die Ausdrücke derVolks- 
medicin, die Bauemsprache (von Spreng selbst durch „Land- 
wort" gekennzeichnet), die Sprache des Kinderspils und der 
Schule; femer die Benennungen von Speisen und Leckerbißen 
(„Eochworte"), der Bedürfhisse und Gerätschaften des täglichen 
Lebens, insbesondere der Kleidungsstücke und Zierraten des 
weiblichen Geschlechtes. 

Li den Begriffsübertragungen, Bildern, Sprichwörtern 
wird man einen gewißen Zug zum Sarkastischen erkennen, 
welcher der Basler Mundart noch heute innewont, und der im 
vorligenden Falle durch die originellen, satirisch gefärbten 
Deutungen Sprengs noch verstärkt wird. (Vgl. das Urteil 
von Ochs über Spreng und des Leztem Bemerkung zu 



Diejenigen Ausdrücke (und wie vile sind irer!), die in 
der heutigen Mundart nicht mer gehört werden, haben wir mit 
* bezeichnet. Auf Unfelbarkeit machen wir dabei keinen An- 
spruch. Manche Dialektwörter verschwinden eine Zeitlang 
oder leben in einzelnen Familien fort, um dann plözlich wider 
aufzutauchen ; auch Neuscjiepfungen sind inzwischen durchge- 
drungen, ümgekert haben wir villeicht einige Bauern- und 
technische Ausdrücke fälschlich als noch lebend angenommen. 
Eine Anzal von Wörtern bezeichnet übrigens Spreng als 
veraltet. 

2. Spreng beschränkt sich nicht bloß auf die gesprochene 
Mundart, er schenkt auch den Ausdrücken der altbasleriscken 
ÄmtS'y Gerichts- und Bilchersprctche volle Beachtung. Von äl- 
teren Schriften citiert er die Zürcher Bibel, Frisius, Maaler, 
Wurstisen und baslerische Geseze und Verordnungen. Er 
kommt damit einer Forderung von Ochs zuvor: „Der Sammler 
der Ausdrücke des Schweizer Dialektes sollte auch jene Wörter 
aufhehmen, die zwar wie das Hochdeutsche lauten, aber einen 
Nebenbegriff ausdrücken, der in Sachsen ungewöhnlich ist. 
Von dieser Gattung ist z. B. das Wort auskünden. Man kün- 
det bei uns eine Person aus, damit ihre Gläubiger sich zu er- 
kennen geben; man kündet eine Liegenschaft aus, damit Die- 
jenigen sich melden, die eine darauf haftende Schuld oder 
Dienstbarkeit anzusprechen haben. Endlich kündet man ein 
Amt aus, damit Diejenigen sich angeben, die sich darum be- 
werben. Man kündet aber Verlobte nicht aus, sondern man 



verkündet sie, doch vor Zeiten wurde der Ausdruck ausktin- 
den für Verlobte auch gebraucht." (Gesch. d. St. u. Landsch. 
Bas. Vn 625/26. Ochs berürt merfach Sprachliches, freilich 
mit der Liebhaberei eines Dilettanten). — Als Schriftsprache 
war der alemannische Dialekt zwar bereits seit dem Anfange 
des 17. Jh. verschwunden, noch aber erhielten sich zumal für 
die Benennung der Einrichtungen, der Bevölkerungsklassen 
und der mannigfachen kleinen Beamtungen eines sich selbst 
verwaltenden Gemeinwesens eine Menge von althergebrachten 
der hochdeutschen Sprache fremden Ausdrücken. Soweit die- 
selben Eigentümlichkeiten der Kanzleisprache sind, bekämpft 
sie Spreng ebensoser wie die Ausschließlichkeit der Ober- 
sachsen und widerlegt damit die kürzlich ausgesprochene Be- 
hauptung, als sei für die Gegner der sprachkritischen Anschau- 
ungen Gottscheds kurzweg und durchweg die Kanzlei Kanon 
gewesen. — Mit disen Wörtern der schweizerischen Bücher- 
sprache des 17. und 18. Jh. hat die Zeit noch mer aufgeräumt 
als mit den eigentlich mundartlichen; die zwei Sternchen (**), 
die wir den ausgestorbenen diser Kategorie geben, beweisen 
es deutlich. Nur wenige haben sich seither in der allgemeinen 
Schriftsprache Bürgerrecht erworben : entsprechen, Flühe oder 
Fluh, der nämliche; andere finden sich noch bei schweize- 
rischen Autoren oder in der Amtssprache': äufnen, Auf(ent)- 
halter,-etwelcher, fallendes Weh, zu gutfindender Verfügung, 
Hehl bieten, jeweilig, jeweilen, wurmstichig; auch wärend 
und wegen mit dem Dativ, Gewinn«^ und Verlurst, pl. die 
Dieben, die Töchtern kommt in Zeitungen vor. Wenn aT^er 
Spreng Ratte als Idiotismus mit „hochdeutsch" Ratze, Haus- 
knecht mit „Keller** in einem Wirtshause, der Schrecken mit 
das Schrecken, schwören mit schweren erklärt, so hat sich 
heute das Verhältnis gerade umgekert. 

Mit besonderer Vorliebe werden logische Verstöße der 
Sprache gegeißelt: at^/%a6end6 Pflicht, byzy teuer, en^ttnehren etc. 

Von grammatischen Eigentuenüichkeiten seien noch her- 
vorgehoben: Abweichung im Genus: der Last, die Aufruhr, 
das Pfeil; -fach^ für -fach: einfacht; schmirzen; Verbindung 
fz: Lefzge, Stefzgen, Trefzen; in der Declination: die Bögen, 
die Schöf, dieMütern; die Comparative holder, wöler, schader, 
wirser; in der Conjugation Analogiebildungen wie weißt, frieg, 
kief ; beditten, geloffen, geschahen, bezigen, anzünden, aber 
gerieft (gerufen) usw. usw. 

Die Dialektwörter kleidet Spreng nach dem früheren 
Gebrauche, der sich der scharfen Scheidung zwischen Schrift- 
sprache und Mundart noch nicht so strenge bewußt war, meist 
in das Gewand hochdeutscher Lautgebung: Aufschößling, Reite 
etc. Die Umschreibung der Begriffe ist in der Regel genau 
und durch Sazbeispile aus dem Leben illustriert, Verweisun- 
gen auf Synonyma und Analoga sind in der Handschrift über- 
all angebracht. Doch hat an einigen Stellen der Hang zum 



Etymologisieren zu. falschen Deutungen verfttrt, so, wenn als 
ursprüngliche Bedeutung von Meyel „Hamglas" angegeben 
wird, als gehörte das Wort zu meyen (mingere), wärend es 
tatsächlich von majolica herkommt. Die Etymologien, die mit 
Vorliebe zum Keltischen greifen, sind überhaupt die schwache 
Seite Sprengs ; des Beispils halber haben wir seine Erklärung 
von mustodt (mausetodt) widergegeben, sonst aber derlei Dinge 
weggelaßen. — Im Uebrigen haben wir die Worte des Autors 
und auch seine Orthographie, die nicht schlechter ist als die 
heutige, getreulich bewart. 
BASEL ADOLF SOCIN 



^abebnen abgleichen. Wird bey dem 
Schneiden einer Feder gesagt, 
wenn die geschärfte Spitze der- 
selbigen mit dem leisten Schnitte 
abgegleicht und zum Schreiben 
ffescUckt gemacht wird. 

*aDelo heißen die Jungen ein Spiel 
mit Marmorkügelchen, die sie an 
einer Wand oder Mauer herunter- 
lassen, bis sie die Eügelchen 
ihres Gegners darmjt schlagen, 
welche sie dann für ihren Ge- 
winst aufraffen. 

ablegen wird von voreiligen Mütem 
gesagt, die sich eines Kindes ent- 
laden : sie het abglait sie ist wie- 
der Jungfer. 

Abschlaher Abschlag- oder Sichel- 
messer der Beblente, Winzer- 
Hippe. 

^abziehen wie Lenz d. i. ganz be- 
schämt, mit einer langen Nase, 
mit langen Schritten und gleich- 
sam mit eingezogenem Schweife, 
wie ein verscheuchter forttraben- 
der Wolf. 

**äferen die Erde mit dem Pfluge 
oder mit der Hacke bearbeiten. 
In den baselischen Gesetzen iot 
eine Ahndung wider die Unter- 
tahnen, welche über die Lach- 
bäume und Marksteine äfern. — 
IL wiederholen. 

Affenti|;el ein Spottname ungestal- 
ter Kinder. 

**Agde f. Wasserfurche, aquaeduc- 
ti^. 

Aegersten nennen unsere Spottvögel 
die hiesigen Stadtknechte wegen 
der weiBen und schwarzen Stadt- 
farbe. 



**Aletwein nectarites. 

**all8tet8 stets, immer. Wird von 
Schreiberlingen gebraacht. 

Almnsen Almosen, Liebesgabe, Mild- 
steuer, Armengut. It. das Haus 
des Almosenschaffhers* It. das 
Tollhaus. 

''''^alsdann für demnach, dieweil, zu 
Anfange obrigkeitlicher Befehle 
und anderer Urkunden, ist ver- 
altet und undeutsch, sodaß man 
es billig aus den Eanzleyen ver- 
bannen sollte. 

ältelen alt aussehen, alt denken« 
Die Jungfer ältelet. Ein Eind, 
das ältelet, stirbt bald. Dise 
Münze ältelet nicht gfung. IL 
Nach dem Altertum und Schim- 
mel riechen, situm redolere. 

Amadislein HalbstöBe oder AnstöBe 
um die Handwurzel, entweder die 
Hände zu wärmen oder das weiBe 
Gezeng in dem Schreiben oder 
anderer Arbeit zu schohnen. 

Aemmlein, Emmli eine Budel oder 
ein geschraubtes Trinkfläschchen 
der Kinder, mit einem Mundstücke 
gleich einer Brustwarze, woran 
sie wie an einer Amme trinken. 

^'^Amselnpfle^er schreiben einige 
Unverständige für Amtspfleger» 
welches auf der Landschaft ein 
Forstbeamter oder Anschläger des 
Holzes und an einigen Orten zu- 
gleich ein Gantmeister ist. 

^'^anfallen Jemand mit dem Stäbe 
Jemanden oder sein Gut durch 
richterliches Verbot bekümmern 
und verhaften, (alte GO.) 

*Anhenker ein Eirchensitz ohne Leh- 
ne, der an einer Leenbank fest ge- 



toacbt ist and an solcher auf- und 
nidergelassen werden kan. Für 
dis unartip;« Wort könnte man 
einen Ansitz ader Nebensitz ne- 
men. ^nAenA:er nennet man auch 
ein Geschleppe Kinder und an- 
derer verdrieBlicher Dinge. Das 
Mensch war scho aznä (schon an- 
zunemen) wenn nur der Ahänker 
nit war, den mä mit ihr hyrotä 
mueß ; nämlich ein Jungfern kind 
oder ein Buckel. 

Ankenballe massa butyri. Anken- 
bälleli nennen wir ein milchwei- 
ßes, wolauRgefalltes Kind, infan- 
tem qui sit totus teres atque ro- 
tundus. 

Ankenkratte ein großer, beynahe 
viereckichter Flechtkorb, derglei- 
chen man einem Saumrosse zwey 
anzuhängen und mit Butterballen 
oder anderer Waare zu beladen 



Ankenscharre Butterscharre ; ein 
krummes Scharreisen, die harte 
gesodtene Butter darmit nach 
Nohtdurft loszukratzen. 

ABk^nwecklein ein Butterweckchen 
für 3. Rappen. 

ftnlaegen anschauen, ankucken« Es 
darf ä Katz ä Bischoff aaluegen. 

**aiiiiiäppeii ein Schiff, d. i. an- 
binden. 

Aiirichter ein Anhenktisch, den 
man an einer Wand auf- und 
niderlassen kan. 

*aiiraeren (Landw) anrühren, an- 
gränzen, anstoßen. Er isch wüest 
agruert er ist häßlich angelaufen. 

^^Anschlaher unter einem Stadt- 
tohre, Anschläger, der die an- 
kommenden Beitw und Wagen 
nach der Anzahl der Pferde mit 
Klockenschlägen meldet* 

**ansonst sonst. Wird nur von ei- 
nigen Schriftlinffen gebraucht. 

**Antraiife, Antrliife Dachrinne, 
Traufrecht (jus stillicidii). 

**ad Aerarinm J)epiitirte: lieber 
schriebe und sagte man deutsch, 
wie die Alten, Schatzamt oder 
Schatzherren, 

*Arboga8t heißt ein tapferer Kriegs- 
mann oder Kriegsheld. Diser 
Name ist auch unsem Bauern 



gemein und hat in Anseliun^ 
ihres Berufes die Bedeutung eines 
kräftigen und strengen Arbeiters 
auf dem Felde. 

"^arme Mannen nennet man zu Basel 
weiß Brot lang ^eschnidten, in 
rohtem Weine emgewaicht, in 
Butter gebacken, in Zucker und 
Zimmet umgekehrt und mit einer 
Brühe von rohtem Weine, Zucker, 
Zibeben und Korinten begossen. 

Aette Vater, parens. Ist ein Ehren- 
name, den unsere Landleute aueh 
einem ehrwürdigen Greisen zu 
geben pflegen. 

**aafhabende Pflicht ist falsch oder 
nichts gesagt, denn eigentlich 
kan die Pflicht nichts auf sich 
haben und tragen; und seiner 
aufhabenden Pflicht genug tuhn 
ist gut deutsch lediglich: seiner 
Pflicht ein Genügen leisten, s« 
tragendes Amt. 

Anfhiäter seyn geringer als Hinter- 
saßen und haben den Aufenthalt 
an einem Orte nur auf Bürgschaft 
und auf eine gewisse Zeit. 

änfnen blühen und gedeihen machen, 
emporbringen. Einen an Ehren 
und Gut äufnen. — Aeufner Be- 
förderer ; ^et^/Vit^n^ Aufname, Ge- 
deihen, Wachstum. Zu Aeafnung 
der Kirche. Die Aeufnung schö- 
ner Wissenschaften sich angele- 
sen seyn lassen. 

♦♦AufmliP (die) für der Aufruhr 
seditio. Man sagt zwar die Ruhr, 
die Grundruhr u. dgl., und war 
demnach die Aufruhr besser ge- 
sagt; dem aber ist der Gebrauch 
in dem Hochdeutschen zuwider. 

Anfschößling, Ufschützlig heißt zu 
Basel ein Bürschchen oder Jüng- 
ferchen, das nächstens in die Em- 
pfindung gehet oder bereits da- 
rinnen stehet. 

**auftuhn eine Zel^ heißt, wenn 
nach der Aemde die Garben samt 
dem Zebnden aus dem Felde ge- 
führt worden, das Vieh in die 
Zeig treiben und darinnen waiden 
lassen« 

♦♦Ansbereiter, üsbreiter der die 
Waaren der sogenannten Hosen- 
lismer auf den Kauf ausbreitet. 



^AnsWtfer heißt bey nns nicht 
nur wie anderswo ein Filzer, eine 
Au8scheliangnndStrafpredigt,8on- 
dem auch die Abrechnung eines 
Gläubigers mit seinem Schuldner 
und der Ausgang, den es alsdann 
mit dem letzteren gewinnt. Also 
heißt es von Jemand, der da 
große Winde macht, dahinter 
doch nichts steckt: Es werde sich 
im Ausbntzer zeigen, was er ge- 
wesen, 

^anshippeln einander schänden und 
schmähen wie die Hippenweiber. 

ftiisk&ndeii auskündigen. — Aus- 
kündgant, Auskündigungsgant. 
Auskündzedel, Auskündigungs- 
schein. 

anslären oder abladen sagt man 
von ledigen Mütem, die sich 
eines Kindes außer der Stadt in 
der Stille entladen und gleich 
darauf wider in jungfräulicher 
Gestalt öffentlich auftreten. 

Bachanken braune Butter, welche 
in der Pfanne, darinnen man et- 
was gebacken oder geröstet, zu- 
rückgebliben und zu weiterem 
Gebrauche für das Gesinde auf- 
gehoben wird« 

Bachis m. ein Kopf voller Fluß 
und Krusten, mit eingebackenen 
Haren« Man gebraucht das Wort 
nur von Kindern, außer dem Ge- 
spötte : Wie darf der Bachia schon 
ä Ma nä? 0. i. Wie darf das 
Mensch mit dem grindichten 
Kindskopfe schon einen Mann 
nemen ? 

*Bftdeerf.ßadschürze, castula, peri- 
zonium. 

Bafel m. alte verschossene Kanf- 
mannswaare, Ladenhüter. So wird 
etwann auch eine verlegne Jung- 
fer genannt« Deßgleichen der 
Troß und Pöbel. 

*Bagnolet Regen- oder Wetterkappe 
des Frauenzimmers. 

Bahn für Bann, Kirchengerichte. 

Bahnherr Eirchenältester. 

Bande hauen d. i. Wide schneiden, 
nämlich cum Dienste des Nach- 
richters, wie denn bey den west- 
fälischen und andern Gerichten 



ehmals Band und Wid anstati 
der Stricke zum Aufknüpfen ge- 
braucht worden. Gang go Band 
hauä! Packe dich zum H . . . 
Abi in malam rem! Abi et sus- 
pende te! Aus dem Munde ver- 
nünftig:er Leute soll man derglei- 
chen nicht hören. 

banden heißt die Beben mitWiden 
an ein Geländer heften. Wenn 
aber dise Arbeit mit Stroh an 
den Rebstecken geschiht, so heißt 
man es binden. 

^dureh den Barehet Jagen Jemand 
durch alle Proben gehen lassen 
und ihm so lange das Grobe be- 
nemen, bis man ihn durch das 
feinste Sib treiben kan. 

'i'Bärenliaat ist der Name eine« be- 
rühmten Gefängnisses der Hurer 
und Ehbrecher in unserer Stadt. 
Ein unzeitiger Hochdeutscher hat 
die Benennung mißkänntlich ge- 
macht, indem es eigentlich Bern- 
hut d. i. kohtichter oder unflä- 
tiger Kerker heißen sollte. Von 
Bern sordes, coenum, excrementum 
und Hut custodia. Daher haben 
auch die Bemhäuter oder eigent- 
licher zu reden di^Bemhüter den 
Namen, als Solche, die da vei- 
dienen, ihre Sünden in einem 
Stankloche zu büßen, oder gar, 
wie vormals die Germanier den 
Faigen und Zagen zu tuhn pfleg- 
ten, in einem Pfule erstickt zu 
werden. 

Bartgabeln Barthare, die sich wie 
Rehgabeln spalten, wie an den 
Warzenbärten. 

Bäsi f. Base, Verwandte. So pfle- 
gen auch in geringen Häusern 
oder auf der Landschaft die Mägde 
ihre Meisterinn zu nennen. So 
heißt man zu Basel femers eine 
Stifterinn weitläuftiger Schwä- 
gerschaften. Zuweilen sagt man 
mit einem Zusätze Jedermanns 
oder Ällemanns Bäsi. 

bastant für tüchtipf, fähig, der im 
Stande ist. Mit Yei wunderung 
fljidet man dis Wort auch in 
Kanzleyschriften und Geaätzen. 

**Bftiiherren nennet man die zur 
Verbesserung und Erhaltung der 



äiadtgebäude verordneten Herren 
Aufeeher, welche zur Vollstareck- 
ung ihrer Befehle den Lohnherm 
unter rieh haben. Die an solchem 
Bauamte gitzen, seyn ein Bür- 
germeister oder Oberster Zunft- 
meister und drey Glider des klei^ 
nen Bahtes samt dreyen aus dem 
grossen Rahte. 

Beekenmäiinleiii oder Beckenhuhen 
nennet man die trockenen Mähl- 
drüsen oder Mählkügelchen, wel- 
che von den Weibern in dem 
Brot- und andern Teige zuweilen 
gelassen werden und nicht zu ge- 
nießen seyn. 

^'^Befaegsame Befügniß, Gerechtig- 
keit. 

"^^be^leiten ein Amt soll eigentlich 
heißen ein Amt bekleiden, Dises 
wird nur von ansehenlichen Be- 
amten, Richtern, Rähten und Vor- 
stehern in allerley Ständen ge- 
sagt, da solche Herren bey ihren 
Amtsverrichtungen das Recht ha- 
ben, auf bekleideter Bank oder 
Polster zu sitzen, und Tische, mit 
Teppichen bekleidet, vorsieh ha- 
ben. Allso ist es lächerlich und 
verräht eine große Unwissenheit, 
wenn man diese Redensart öfters 
bey geringem Bedienungen miß- 
brauchet. 

**den Beiz andern Leuten hletzen 
und den seinen die Läuse fres- 
sen lassen heißt sich mehr um. 
fremde Geschäfte als um die seini- 
gen bekümmern und darüber ein* 
baßen. 

**bepcchteii Jemand gerichtlich an- 
fechten. 

**ßepner masc. hoher Erker, sublime 
podium, oder sonst ein erhöchter 
Ort. Eines der ältesten Gebäude 
zu Basel hat daher den Namen. 

Bettseher f. Spanbette, sponda. 

**Bcyfaiig heißt auf der Landschaft 
ein Stück Landes, welches von 
der Almende oder Gemeinwaide 
auf obrigkeitliche Erlaubniß 
eingezäunt worden. Soll eigent- 
lich ein Befang heißen. 

^^Beyhänser ein Hausmann, den der 
Haubtbeständer eines Hauses neben 
sich darein nimmt, und für wel- 



chen er dem EigenthÜmer stehen 
muß« (Bas. alte Gerichtsordn.) 

**Beziehbrief mandatnm immisso- 
riale (Bas. alte Gerichtsord.) 

Bhaltis m. allerley Eß- und Nasch- 
waare, die man einem Gaste zu- 
weilen mit heimgibt. Die Jum- 
pfer N. het endli ihr Hochzytbhal- 
tis usglärt. — Üeberhaubt heißt 
Bhaltis das, was man aufbehält. 

Bhütis tröli ! Behüte Gott uns treu- 
lich! Da sey Gott vor! Wird 
leichtsinniger Weise in dem ge- 
meinen Gespräche nur als ein 
lediges Flickwort angebracht, sei- 
nen Abscheu uudEckel vor einer 
Sache darmit anzudeuten. 

Bieten m. das vordere oder hintere 
Ende eines Schiffos. 

Birlig, Birling ein Schochen Heu 
oder ein Haufe Garben, derglei- 
chen man auf dem Felde zusam- 
menlegt, bis sie weggeführt wer- 
den* Ist ein Landwort. 

^Bisemklucker gesodtene Zucker- 
kügelchen oder hartverzuckerte 
Haselnußkeme, da man dem 
Zucker einen Geschmack von 
Mosch oder Bisem gibt* 

Blaize Blaumeise. So nennten un- 
sere Alten auch ein blaues Wund- 
mal. 

Bläsfener ein Feuer von leichtem 
Holze, welches man vor einem 
beschlossenen Backofen brennen 
läßt, dem Brote eine schöne Bräu- 
ne zu geben. 

^Blai^ene f. nennten die Alten eine 
Stampfmühle, und noch heutzu- 
tage nennet man allso ein plau- 
derhaftes Weib, welches den Ne- 
benmenschen ebenso so arg mit 
ihrer Zunge betäubet. 

Bieg n. oder die Biege Saum oder 
Leiste eines Kleides; fimbria, la- 
cinia, limbus. 

^blinde oder faule Rotte nennet 
man eine eingebildete Rotte ge- 
wisser Stadtwachten, welche nur 
bezahlt, aber nicht versehen wer- 
den. 

blinder Stuhl ein Eirchensitz, da 
man den Prediger wohl hören, 
aber nicht sehen kann. 

^Blodertaanbe vormals eine Weiber- 



10 



haube, hinten mit wfllstigen Fal- 
ten gereihet, rinffs tun den Kopf 
glatt nnd an beiden Ohren wie 
auch mitten auf der Stime mit 
einer Schnappe oder Spitze von 
Drat geschlossen. 

Blotere fem. Blase. Er isch innerft 
Säubloterä nffenogä wordä d. i. 
niemals in keine menschliche Ge- 
sellschafb gekommen, sondern im- 
mer bej seinem Stalle oder seiner 
Mater Herde gesessen; er weiß 
gar nicht zu leben, er riebet noch 
immer nach seiner Herkunft. 

^bocken ist ein gewisses Spiel mit 
den Karten unter gemeinen Leu- 
ten, was die Bas&te unter den 
Großen. 

*Bodel m. Bindsblutwurst. So wird 
eben auch ein Weibsbild, das 
durch allen Koht läuft, gescholten. 

*Bodeiihanbe ehmals eine sehrstarke 
Eckhaube des ledigen Frauen- 
zimmers, welches die Zupfen, die 
Aber dem Nacken aus dem soge- 
nannten ZQpfenloche herausgien- 
gen, um die beiderseits heraus- 
ragenden Ecken breit und zier- 
lich geflochten zu winden pflegte. 

♦Böler fem. eine Spiel- oder Wurf- 
nuß zum Höckeln, welche die 
Jungen mit Wachs oder Pech 
überziehen, damit sie desto schwä- 
rer und zu dem Wurfe geschick- 
ter werde. Böler nennet man 
im Scherze auch einen einzigen 
Bruder unter vielen Schwestern. 

Bollenhammel, mißbräuchlich fQr 
BoUhammel, Schellen- oder Leit- 
hammel. — BoUhammel nennen 
die Basler zum Spotte ein un- 
flätiges Weibsbild, das voller Koht 
hängfc. 

Bolljr m. Fallhaube, Fallhut der 
Kinder. 

*Borte, Perlenborte f. hieß ehmals 
ein vierschrötiger, mit Perlen 
und Edelsteinen versetzter Kopf- 
schmuck, mit welchen die Jung- 
frauen bej Kindtaufen und bej 
ihrem hochzeitlichen Kirchgange 
und Gastmahle prangten. 

das bSs Ding Krebs, umfressender 
Schade, Wurm, Wolf. Ihr Kleid 
hat*s bös Ding ist übel zerfetzt, 



von den Mäusen und Motten zer- 
fressen. 

*Bräter Kleinviehmetzger. 

^Brantmaes oder geele Pappe ein 
Brey von feinem Mahl und Milch, 
worunter, wenn er bald ausge- 
kocht ist, Zucker und Safran ge- 
rühret wird. 

Braatmatzerinn eine Frau, welche 
um den Lohn die Bräute zum 
Kirchgange aufisetzet und schmü- 
cket. Das muß eine künstliche 
Brautmutzerinn seyn, die diser 
Braut ein menschlich Gesicht auf- 
setzte. 

bremsen sich sich in seiner Hoff- 
nung garstig betrogen finden. Das 
Oleichniß ist von muhtwUligen 
Pferden hergenommen, die nicht 
halten wollen, bis sie einsmals 
mit einer Bremse oder einem 
fiQuppeisen in der Nase zahm ge- 
rn acht werden und nicht wissen, 
wie ihnen geschiht. gebremst 
werden mit einer langen Nase 
abziehen. 

*Bret n. das magere Fleisch an ei- 
nem Schwein. Me mueß der feißte 
Sau bis ufis Bret stechä, wird ge- 
sagt von einem Reichen, den man 
um ein Großes strafen muß, ehe 
es ihm weh tuht« Durchspicktes 
Bret Fleisch mit Fettigkeit durch- 
wachsen. Das Wort gebrauchen die 
Hochdeutschen nur in Wildbret. 
Durch Bret verstunden unsere 
Alten allerlej Nahrung und Speise. 

Brotbären Brothänge, Brotschragen, 
Brotrame, Hangbare. 

Brotküchlein Küchlein von Brot- 
teige, wie kleine Schüsäelchen ge- 
formet. 

^Briidel m. Gerumpel, Plunder, Bet- 
tel. Er kan seinen ganzen Brüdel 
auf den Buckel nemen. Das ist 
der Brüdel all. II Pöbel, schlecht 
Volk. Der Gottesdienst ist bald 
aus, man siht schon den Brüdel 
daraus kommen. 

Brttge f. Schaubüne, worauf man 
spielet. It. ein erhabener Ort, wo- 
rauf man den Schauspielen zusiht 
It. ein erhabenerOrt in der Kirche, 
dergleichen man bej Krönung 
oder andern feyerlichen Anlässen 



11 



anfricliiet. It. ein Blutgerüste oder 
eine Todtenbüne. 

^nni das BILclileiii laufen od^r Weit- 
lauf wm Bücher gescliiht jähr- 
lich bej einem Teile der Schüler 
unserer Stadt, weiche an einem 
an^enemen Tage von ihren Lehr- 
meistern singend und in schul- 
gerechter Ordnung auf die Schüt- 
zenmatte geführt werden, da sie un- 
ter andern Ergötzungen nach auf- 
gesteckten Büchern um die Wette 
laufen und des Abends in voriger 
Ordnung wieder heimziehen. Der- 
gleichen Wettläufe pfleget man 
alleine mit den Schülern anzu- 
stellen, welche das sogenannte 
Gymnasium, darinn eigentlich nur 
Gelehrte aufenogen werden sollen, 
nicht besuchen, und das. nicht 
c^e Ursache, weil die wrigen 
Knabenschulen vomemlicn für 
solche Kinder, welche man zu Ge- 
werben und Handwerkern ziehen 
will, bestimmt seyn, da es denn 
freylich yemünftiger ist, sie noch 
weit öfters im Laufen und Springen 
zu üben, als aber, wie in der 
Stadtschule auf Burg mit ange- 
henden Kaufmanna- und Hand- 
werki^ungen geschiht, mit dem 
Griechi8(£en in der Hoffnung der 
Vergessenheit zu plagen. 

^ßaebeiiklöekleiii ein Klöcklein, wel- 
ches zu Basel im Sommer Abends um 
10 Ohr und im Winter um 9 Uhr 
geläutet wird, zum Zeichen, daß 
sich alles Gesinde aus den Schenk- 
häusem heimbegeben und Nie- 
mand ohne Laterne über die Stra- 
ßen gehen, viel weniger einigen 
Muhtwillen darauf treiben solle. 

Bäell n. heißt unter den Landleuten 
eine Holdschaft, Buhle oder Bnh- 
linn, Liebster oder Liebste, ama- 
sius, procus, amasia, amicula. 

Bükt! n. die Stück- oder Tragbütte 
der Faßbinder. 

Bändel kleiner Büntel ist ein 
Scheltname junger Mägdehen. Ei- 
gentlich bedeutet es eine junge 
schwangere Hure, sodaß man sich 
schämen sollte, denselbigen den- 
noch so oft zu gebrauchen. 

Biinenwisch m, ein langer Ragstock 



oder eine langgestielte Rollen- 
bürste^ die Spinnen an den Bünen 
darmit wegzufegen. It. ein Spott- 
name langgeschossener Weibsbil- 
der, die darum eben nichts de»to 
mehr bedeuten. 

Bür^^erli Bürger aus nidrigem 
Stande. Die Bilrgerli wend so 
guet essen und trinken als die 
Burger und husen uf den Spittel 
oder ufs Zuchthus. Burger und 
Bürgerli hend beide einander 
nötig und sotten besser zämme- 
spannen« 

^^Barsanten einheimische und frem- 
de Studenten, welche auf obrig- 
keitliche Kosten oder aus milden. 
Stiftungen mit Zimmer und Kost 
versorgt werden. Dergleichen Stif- 
tungen und die darzu gewidmeten 
Häuser selbsten werden von den 
Alten gemeiniglich Bursen ge- 
nennt. 

**Bnrsnieister heißt beyunsem Al- 
ten ein öffentlicher Leser oder 
Hochlehrer der Wissenschaften, 
Professor publicus Ordinarius. 

**Bfirzel m. Landseuche. 

Bntzenmnmniel m. Popanz, Schreok- 
männchen, Vorwand Jemand bang 
zu machen. Das ist noch lange 
kein Butzenmummel für mich. 
Den Butzenmummel muß man 
Kindern machen. 

*Bytsehäppli n. ehmals eine steife 
Jungfemhaube, welche sich an 
beiden Ohren ein wenig heraus- 
ründete und vom in der Mitte 
eine kleine stumpfe Schnappe 
hatte. 

byzytener sagen öfters gescheide 
Leute aus Unbedacht für früher, 
eher, zeitlicher, citius. 

*Chilpert (Landw.) für Kirchwart, 
custos templi. 

*Collayeni das obere, da die Bur- 
santen unterhalten werden; das 
untere, da die Herren Professoren 
ihre Verrichtungen haben. Ordent- 
lich sagt man das obere und un- 
tere Collegium. 

**Colleet n. die Spende, das Amt 
der Spendherren. 

**Col]eetherren Aufseher und Pfle- 



12 



fer der armen Herberge, Spend- 
erren. 

**Dtthem m. Aeckenmg oder Eichel- 
mast, (altbasel. Sehr.). Dahem, 
Dähim, Dähem, Dehem, Dihem, 
Dohem kommt auch in andern 
deutschen Schriften vor' und be- 
deutet nicht nur den Eichelmast, 
sondern auch den Mastlohn. 

*damlig (Landw.) dermals, nunmehr. 

**Dank m. Bedenkfrist. Einen acht- 
tägigen Dank auf des Klägers 
Einbringen vor Raht begehren. 
In den Dank flrehen sagt man 
von den Gericbtsnerren, wenn sie 
von dem Gerichte aufstehen und 
zur Berahtschlagung in ein son- 
derbares Zimmer abtreten. 

Deckbettlein hei£t in der Metzger- 
spräche das Stück Fleisch hinter 
demBrustkeme und vor dem so- 

genannten Federstücke an dem 
chsen. 

*DegeI m. irdene Lampe« 

'^'Deutsche m. Damm an einem Was- 
ser. Einen Dentschen schlagen 
aggerem struere. 

"""Deputaten nennet man bej uns die 
Pfleffherren und Ammväter der 
Kirchen und Schulen. Nach der 
Latinität der mittleren Zeiten 
heißt ihr Name so viel als Send- 
herren, dergleichen es noch heut- 
zutage in Sachsen und Westfalen 
gibt, und deren Amt ist, zu Aus- 
rottung des Aberglaubens und zur 
Bestranmg der gerügten Aerger- 
nisse wie auch zur Aufnahme 
der Kirchen und Schulen jährlich 
eine oder mehrere Senden zu hal- 
ten. Unter den griechischen Kai- 
sern gab es auch gewisse AsicotaToo^ 
die aber zu geringem Yerrich- 
tunffen ausgelegt waren. 

Deukeler m. ein yerhudeltes Wort, 
welches in dem Verwundern und 
Fluchen des P5bels den Henker 
oder den T. bedeuten soll. 

Deykenker für Diebshenker. Wird 
nur fluchaweise SJ^s&gt, da man 
etwan lieber den T. nennte, wenn 
man sich nicht scheute. 

'^Diitel nu Schnür- oder Spitwn- 
klöppel. 



**Direetoriii]a der Kanfkannsehaft 

die Herren Vorsteher der Kauf- 
mannschaft. Praeses directorii 
Obervorsteher der Kaufmann- 
schafl;. 

**Direetoriiiiii der Schafbieyeii Ober- 
schafifhey. 

*Dirledey m. Zeug von Lein und 
Wolle. Ein altes Wörterbuch hat 
dirlentey burellum. 

^Disem Bisam. 

*drafter, darafter (Landw.) hin und 
wider, hier und da» 

♦•Dreyerherren werden die drey 
über den Gemeinschatz gesetzten 
Herren genennt, welche noch ihre 
zugeordneten Schatzherren haben. 

*'*'drniigeiilieh dringentlich; instän- 
dige, drungenliche Bitten preces 
impensae. 

♦Dunne f. Webstube, textrinum. 
Alem. sonst der Tnneh oder Tunk 
Webergaden, Mine, unterirdischer 
Gang. 

^Dnom großes, weitläuftiges Ge- 
bäu. Aus Miß verstände sprechen 
Einige von einem großen Hause: 
es sey ein großes Tuen, 

*Diiplex ein doppelter Baselplapp- 
hart, Doppelschilling. 

Dnrcheftngkissen n. ein langes 
Kopfkissen nach der Breite des 
Bettes, zum Unterschiede der 
kleinem Kopfkissen. 

^^Ehrsam war ehdessen der Titel 
der Bürgermeister ansehnlicher 
Städte, wie ehrbar der B&hte. 
Heutzutage hat diser Titel die 
Bedeutung gar nicht mehr, daß 
man ihn gegen unserer Obrigkeit 
gebrauchen sollte. Ohnedas wis- 
sen unsere Schreiber dem Worte 
keine Wendung zu geben. 

Einback m. Einbiegung, eingebo- 
gener oder eingeschlagener Sinm. 
einbucken sagen unsere Nähte- 
rinnen, wenn sie den Schnidt ei- 
nes Zeuges einschliu^ und über- 
nähen. Ifil muel den Saum 
ybuckä, sonst fotzelt er us. 

"^eingegessen Mnes ein ärmliches 
Essen, das von einem Buchbinder- 
brey in nichts unterschieden ist, 
als daß man in dem Auskochen 



13 



etliche E jer dareinzuschlagen und 
vorher den Hafen mit Butter 
mehr oder weniger anzuschmieren 
pfleget. 

eingegrahte oder wieder eingelegte 
Beben — vites stratae. 

""Einguß eine Bettzieche, worein man 
die Federn tuht, und die noch 
mit einer feinen Oberzieche ver- 
sorgt wird. Anderswo heiBt es 
der Einlaß. 

**Einzng nennet man die heimliche 
Zuflucht, welche man Dieben, 
Huren und anderm so schnöden 
Gesinde in seinem Hause gibt, 
der^leichen£Jm2!%er oder Einzü- 
gerinnen gemeiniglich zu öffent* 
Hcher EirchenbuBe und ewiger 
Gefangenschaft in dem Zucht- 
hause oder zu dem Staupbesen 
und ewiger Landsverweisung ver- 
urteilt werden. 

^Engster m. enghalsige Flasche, 
Bottel. 

Enkel, Enkelinn heißt zu Basel, 
was bey reinen Schriftstellern 
Urenkel, ürenkelinn, Enkels- 
kind, Enkelssohn, Enkelstoch- 
ter pronepos, proneptis benennet 
wird. In unserer alten Gerichts- 
ordnung vom XV. Jahrhundert 
werden gleichwol die Eindskin- 
der EnJdin genennt. 

^^Entschlachnnß Entschläg, Ent- 
schlagbrief, Quittscheltung, Quitt- 
brief, Ledigungsbrief, Schadlos- 
brief. 

entsprechen übereintreffen, zutreffen, 
begegnen. Der Ausgang hat mei- 
ner Hoffnung nicht entsprochen. 
Ich kan seinem Begehren nicht 
entsprechen. — Die Sachsen 
woUeu uns dis Wort nicht gelten 
lassen, wissen aber kein anders 
eben so schickliches und ausdrück- 
sames dargegen anzugeben. 

**entunehren sagen Unverständige 
für entehren, verunehren, tradu- 
cere, dedecorare, inhonestare, foe- 
dare aliquem appellatione. 

"""^erbidmen sagte man ehmals hier 
für erbeben, erzittern. 

^^Erdbidem m. das Erdbeben. 

**Epdlouwe f. Erdbruch, Erdfall 
(Landw.) 



^^Erkanntnnß ErkänntniB cognitio, 

decretum, senatus consultum. ' 
**epklagen sich, sich beklagen. Wird 

gemeiniglich in Schriften an hohe 
brigkeit oder in gerichtlichen 
Urkunden gebraucht. 

^^erklnpfen sagte man noch im vo- 
rigen Jahrhundert für erscÄrccfccw, 
in Schrecken gerahten. erklupft 
erschrocken. 

^^ernamsen ernennen. 

'''^Ernanisnng Ernennung. 

**Er8Chatz Bodenschatz, Handlohn, 
laudemium, was einem Gut- oder 
Lehnherm bezahlt wird, so oft 
das Gut die Hand verändert. Ge- 
meiniglich ist es so viel, als der 
Jahrzins, canon annuus, beträgt, 
und halb soviel, wenn ein Gotts- 
hausmann auf das Gut kömmt. 
— So heißt auch das Geld, wel- 
ches ein Zehndenbeständer bey 
der Steigerung zur Versicherung 
gibt; Haftpfenning, arrha. 

**erschatzen den Erschatz bezahlen. 
Ein Gut vererschatzen d. i. den 
Erschatz davon erstatten. 

**er8chätziges Gut, das derErschatz- 
ung unterworfen ist, bonum lau- 
demiale. 

**er8Chrocklich erschrecklich. 

**eP8igner Baum versiegener, er- 
schöpfter Baum. 

**erstecken für ersticken suffocare; 
obschon ersticken auch sensu 
neutro für suffocari gebraucht 
wird. Wegen diser Zweydeutig- 
keit sollten die Hochdeutschen 
das Mehrwort (frequentativum 
verbum) erstecken immerhin gel- 
ten lassen, als welches nach aller 
Sprachrichtigkeit von ersticken 
wie tränken von trinken, drängen 
von dringen, senken von sinken, 
die Schuhe flecken von flicken u. 
s. w. formirt wird. 

**Ertagwan,Ertagwen,Eptagnowen 
m. Fröne mit Pflögen oder Hacken 
im Felde oder Weinberge; an^a- 
ria in agro v. vinea. Figürlich 
s£H^en die Alten auch Jemand 
einen Ertagwen d. i. Eitter- 
dienst thun operam suam inter- 
ponere pro amico. 

**Ertagwaner, Ertagnower Fröner 



14 



mit Aeren oder Hackeni colonus 
V. subditua angariam praestans 
arando v. fodiendo. 

**erwiiiden aufhören, ausgeben. Man 
haltet gemeinlich, die Behausung 
zum Schaltenbrand habe den Na- 
men bekommen, weil U J. 1417 
das grewlich Feur daselbst er- 
wunden (Wursteis. in ged» J.) 
Die Alten gebrauchen das gleiche 
Wort von den Auslaufen der FlQsse. 

♦♦erzeugen generare, gignere wird 
zuweilen von den Pr^igem gar 
uneigentlich ffSa gebehren parere 
genommen, wenn sie z. E. in den 
sogenannten Personalien melden: 
die und die Mutter habe in ihrer 
Ehe so und so viele Kinder er- 
zeugt Noch ärger verstehen es 
Diejenigen,, welche in den Per- 
sonalien wider alle Möglichkeit 
und Natur versichern dönen: der 
und der sei. Mitbruder sey den 
und den Tag zugleich erzeugt 
und gebohren worden. Eher 
könnte man, wie die Alten ge- 
than haben, das Gebehren auch 
den Yätem zuschreiben. 

Estrig m. heißt bey uns das oberste 
Stockwerk eines Hauses, anderswo 
aber der unterste gepflasterte oder 
belegte Boden desselbigen. 

etwelene Etliche, einige. Gehört 
zum Eanzleyschimmel. 

♦♦Euer Gnaden soll heißen Euere 
Gnaden, Euerer oder Euem Gna- 
den, je nachdem es die Verbin- 
dung der Rede erfordert. **Ilire, 
Ihrer oder Ihren Gnaden hingegen 
soll es heißen, wenn man seine gnä- 
digen Herren nicht unmittelbar 
anredt. 

**Euere Gnaden oder gnädiger 
Herr ist der Titel, der eigentlich 
einem hohen Standeshaubte ge- 
boret. Die da sich lediglich des 
Titels wejfser Herr bedienen, 
verrahten ihre Unwissenheit oder 
Grobheit, weil auch ein lediger 
Gerichtsherr zuweilen allso ange- 
zogen wird. 

♦♦Eaer Lieb ist ein altfränkischer 
Eanzelgruß an die Geliebten in 
dem Herrn. 

Eyer in Anken, franz. Soupe dor^, 



eine Gattung trockener Eyersup- 
pen. Nachdem man das Brot 
darzn dünne eingeschnidten und 
in der heißen Butter braun ge- 
röstet, schüttet man etliche zer- 
klopfte Eyer and ein wenig 
Milchram oder Milch darzn, und, 
damit die Suppe nicht in einen 
Kuchen zusammenbacke, rühret 
man Alles fleißig untereinander, 
bis es gar ist. Gemeiniglich sagt 
man der Eyemanken. 
Eyer in einem Blättlein heißen un- 
sere Köchinnen die sonst so ge- 
nannten Spiegeleyer wegen ihrer 
Aehnliobkeit mit den altfränki- 
schen, vielängichten Spiegeln. 

Faden, überhaabt gesact, bedeutet 
hier nur hänfen oder flachsen 
Garn. 

Fahrnm m. heißt be^ den Land- 
leuten um Basel wie auch sonst 
in der Schweiz ein Bienenschwarm^ 
der sich nicht in den Korb brin- 
ffen läßt^ sondern sich weit in 
die Luft aufläßt und davon fliegt. 

Fastenwaye eine ablängliche Fasten- 
bretzel mit einem Kreuze in der 
Mitte. 

f&tzlen Einen, auf Jemand sticheln, 
Einen aufziehen, anzügliche Breden 
treiben. Wird insgemein garun- 
ehrbariich gesprochen. 

fechten das Maß dürrer Dinge nach 
dem obrigkeitlichen Maße aichen 
und rechtfertigen. Gefochtener 
Sester, sefochtene Ele. 

Federstncle an dem Ochsen ist 
das Stück Fleisch hinter dem so- 

Senannten Deckbettlein. 
ervieh schlechte Schreiber, 
schreibsüchtige Schmalgelehrte. 

♦Fedepwoot f. Federwat, allerley 
mit Federn gefülltes Bettwerk. 

feißt fett, groß und dick bey Leibe. 
Der Mann wird zu geschwind 
feißt, das ist keine rechte Feißte, 
Sonst gebraucht man dis Wort 
nur von dem Vieh, fett hinge- 
gen wird von Menschen und Tie- 
ren gesagt. 

^fertig bis anf das Weißsieden ist 
eine bekannte Redensart der 
Goldschmiede, wenn sie eine Ar- 



15 



beit von dem Hammer gefertiget 
und allso beynabe yoUendet ha- 
ben« In Basel gebraucht man die 
gleiche Bedensart von einem ver- 
armten oder verdorbenen Manne, 
der wie eine fertige Arbeit näch- 
stens aus dem Hause soll. 

Feaertenfel eine Gattung Schwär- 
mer, dergleichen die Jungen aus 
einem Teige von Schielpulver, 
Kalk und Speichel zu verfertigen 
pflegen. 

feurige Männlein Irrwische. 

Ficke : das ist eine Ficke fiLr ihn, 
sagt man zu Basel von Einem» 
dem ein reiches Erbe zufällt oder 
sonst ein unvermuhtetes Glücke 
beschieden ist, wöbe j er sich treff- 
lich wohl sein lä£t« 

*die Finger spitzen war noch zu 
unserer Müter Zeiten eine selt- 
same G^bärdung ehrbarer Weiber 
und Jungfrauen, wenn sie sich 
vor Jemand zierten, indem sie 
die Hände vom in einander schlu- 
gen und die Zeigefinger unter 
sich, die Daumen aber Über sich 
zusammenspitzten. In Hohswar- 
tens Schauspiele von Saul, wel- 
ches im Jahre 1571 zu Basel auf- 
geführt worden, gibt Ahinoam, 
Sanis Weib, ihrer Tochter Michal, 
als sie mit David getraut werden 
sollte, fol^nde Lehre: 
Wolan, sih das du mit geberde, 
zucht, Sitten, erbarkeit für werde 
gehalten werdst, das man dich lob 
und sage nit, dein mueter grob 
hab dich nüt glehrt; sih fein 

hemider 
zur erden, gaff nit hin und wider, 
lauff auch nit daher wie ein roß, 
es wer sonst ein bäurischer bo£. 
Dein hend davom zuesammen leg, 
bey leib kein finger nit beweg; 
beym tisch soltu auch züchtig 



mit zucht dein zarte finger 
spitzen. 

**fim ali fimer L^isser-Wein ein 
alter Wein, der jährlich abgelas- 
sen und exirischt worden. 

Fischlogel ein hülzemes und gedeck- 
tes Gefäße, unten weit und oben 
etwas enger mit einem weiten 



Schnabel, worinn man zu Basel 
die Sälmlinge zu Markte bringt. 

**Fiskal besser Frevelvogt So wird 
er in der straßburg. Polizeyordn. 
von 1628 Bits. 100 geoennt. 

Flühe f. hoher gäher Fels, alpina 
atque alta rupes. Sonst Fluo, 
DisWort fehlet denHochdeutschen. 

fdrchten fürchten. **ftircht furch- 
tete. 

Fotzelsehnitten Eyerschnidten. 

^FotzelstrnmpfeFlockstrümpfe, Win- 
terstrümpfe, die mit Flockseide 
oder Wolle ansgenäht oder ge- 
fütert worden. 

*fi*ech wol beleibt, wol besetzt. Eine 
freche Jungfer. Gottlob, er wird 
alle Tage frecher, 

*Freehe f. Fettigkeit des Leibes. 
Er knäUt etzwey vor Freche il 
cr^ve de prosp^tä. 

Fressete f. heißt in der Pöbelsprache 
eine jede stark besetzte oder fey- 
erliche Mahlzeit. 

**Freyheiten oder Freyharten hor- 
renloses Gesindel, unbefehlichte 
Streifer in Eriegszügen. »Allen 
betrug zuo vermeiden und die er- 
oberet Peut desto freuntlicher zuo 
theilen, solte forthin kein Frey- 
heit mehr under dem Heer ge- 
litten werden, sondern ein jedes 
theil dieselbigen von ihm treiben. 
Eemen dann darüber Freyheiten 
zuo ihnen, Vorhabens zuo plündern 
oder einigs guot anzuop^reiffen, dar- 
für solte man huoten imveld ord- 
nen, welche, wo die solche Fry- 
heiten ergriffen und umbbrech- 
ten, darumb nicht gevehdet noch 
gesiarafft werden sollen.« (Wurst- 
eis. Chr. Bits. 451). 

*fHeg fragte, intenogabam, interro- 
garem. 

*fi*onun, firnm seyn zu Basel nach 
der gemeinen Bedensart nur 
Knechte und Mägde, und zwar 
wenn sie nur keine lange Finger 
haben und nicht stehlen, obschon 
sie im übrigen fluchen, huren 
und andere solche Dinge treiben. 

*firomm Härlein schlichtes und kur- 
zes Har. 

Fronfastenkind das auf den ersten 
Tag einer Fronfaste gebohren 



16 



wird, soll nach dem Glauben un- 
serer Weiber die Gespenster sehen. 

*Fpost f. der Frost. 

Fnhrlin^ ein zu der Fuhr bequemes 
Weinfaß, höchstens von fünf 
Säumen. 

Fnlfleischli, Fanlfleisch Bücklein, 
pancreas. Die Müter gebrauchen 
das gleiche Wort, eio arges Mägd« 
chen zu bestrafen. 

Fnlket Faulheit. Die Oberländer 
schreiben sogar Faulkeit 

**fulklich fauler, trftger Weise, 
pigre. Findet sich bey unsem 
Alten. 

**FünfepheiTeii quinque viri, aedi- 
les; Baurichter. 

Funke m. Socke, Leinschuh, Chaus- 
son. Fünkli Söcklein, socculus. 

fdrenste hervorstehen, d.i. sich bey 
der Taufe eines Kindes als Vater 
vor dem Altare darstellen. 

"^fdrfaßen alte Strümpfe, d. i. einen 
neuen FuB daran setzen oder 
stückeln. 

Fürkauf Vorkauf oder Aufkauf auf 
den Mehrkauf. 

FürkänflerYorkäufer, propola, ven- 
ditor minutarius. 

♦Fnrrezi f. Wasserfurche in den 
Aeckern, lira. Furetzinen und 
Gräbli machen, das Wasser dar- 
durch abzuleiten. Die erste Sylbe 
dises Wortes wird lang gesprochen. 

**fdrtrechtig vorsichtig, fürsichtig; 
providus, circumspectus (Wurst- 
eis.) 

Oalgenkind soll eigentlich so viel 
als einen Galgenvogel bedeuten, 
ist aber zuweilen nur einScherz- 
und Schmeichelname loser Mägd- 
chen und Bübchen. So gar kan 
sich ein Eleinmeister nicht wenig 
darauf einbilden, wenn ihn seine 
Schöne dessen nur würdigen will. 

"^gängerlen Jemand, einen unge- 
horsamen Bürger in die Gewahr- 
same führen. 

den Gängler finden sagt man von 
Lehrmägdehen, welche sich in 
einem verworrenen Strickwerke 
wieder zurechthelfen. It. figür- 
lich von Jemand, der eine Aus- 
kunft in schwären Geschäften fin- 



det. Eigentlich heifit Gängler 
derjenige Faden in einem Strange 
Garn, von welchem an man bis 
zum Ende oder doch sehr weit 
ohne Verwirrung forthaspeln und 
abwinden kan. 

'^'Gangnierno (Gehmimach) d.i. ein 
Liebesbissen oder Liebestrank, 
philtrum. Sie hettemGangmerno 
ygä sie hat ihn mit einem Zau- 
berluder angelockt, philtro ines- 
cavit V. allexit amasium. 

gänserig werden sagt man, wenn 
einem die Haut vor Frost wie 
eine geropfte Gans aussiht. Ein 
Hochdeutscher würde dardurch 
einen jungen Kitzel verstehen. 
Man heifit es auch gänslig dry- 
See (dreinsehen). 

*Gän8kl8cklein für Gangs- oder 
Gehnsklöcklein. So nennet man 
zu Riehen, eine Stunde weit von 
Basel, ein Klöcklein, welches des 
Abends zur Zeit geläutet wird, 
da ein Fufigänger noch eben recht 
in die Stadt kommen kan. 

*Garien sagen die Bauern für Gre- 
gorius. 

Gassenbesetzer Pflasterer, straturae 
artifex. 

*Gast verkürzt für Arbogast. bt 
der Taufname vieler Bauern in 
dem Basel gebiete* 

'''gästeln viele Gastungen und 
Schmause anstellen. 

"^das Gasthütlein einem abziehen 
heifit, die Höflichkeit gegen Je- 
mand, der sie wie ein unver- 
schämter Gast mifibraucht, bey 
Seite setzen. Wenn Jemand ein 
funkelneues Kleid oder derglei- 
chen dergestalt verderbt, dafi man 
keine Neuigkeit mehr daran er- 
kennet, so heifit es auch, man 
habe dem Erleid den Gasthut ab- 
gezogen. 

Gatze f. Geize am Pfluge, buris. 

Gätzi n. kupferne Wasserschufe. 

ins Gän fahren Einem, Jemand in 
das Land fallen, sagt man, wenn 
man die Gränzen seines Rechtes 
überfährt und seinem Nebenmen- 
sehen irgend eingreifet. 

^^Gefänknnfi Gefängnifi. 



17 



Gefechte n« dasAichen oder Recht- 
fertigen der Maße dürrer Dinge. 

Gefliigel junffes Frauenzimmer von 
mittlerer Bedeutung. 

^geführt werden sagt man von Hu- 
ren und fihbrechem, welche ne- 
ben andern Strafen leiden müssen, 
daß sie von dem Ehgerichtsbüttel 
mit aufgehabenem Stabe durch 
gewisse Straßen und sonderlich 
auf die Beinbrücke bis zur Ka- 
pelle, über deren Tühre ehmals 
ein schändliches Hurenwapen ein- 
gehauen gewesen, zu öffentlichem 
Gespötte herumgeführt werden. 
Dise Strafe nennet man gemei- 
niglich kurzweg^ führen, 

/^ebahen heißt ein Teig, wenn er 
von dem Hefel aufgegangen ist. 

gehebt gehalten. I lui mi an ihm 
gheht, sonst war igfallä. Eshet 
nur an dir ghebt, sonst war die 
Sach grotä (gerahten). 

geigen : wenn Jemand gar zu viele 
&inneruogen macht, wie er einen 
Vertrag oder eine Schrift wolle 
eingerichtet wissen, so erhohlet 
er zuweilen die Antwort: Jo du 
Narr, mä wird dirs gygä. Dahin- 
gegen man von Dingen, die in's 
Aui<e fallen sollen, bei gleichem 
Anlasse zu sagen pflegt: Mä wird 
dirs molä. 

*die Geiß anbinden. Wenn Jemand 
in einer Gesellschaft zu viel ist, 
und man ihm ein erdichtetes Ge- 
schäfte aufgibt, damit er aus den 
Füßen komme, so heißt es: man 
schiclie ihn, die Geiß anzubinden* 

""gelbe Fron die bei der Hochzeit 
der Muter Stelle vertritt und vor 
Andern in güldenem Schmucke 
erscheinet 

""^Geliger n. Lager, Bette. Faules 
Geliger in einem Keller, worauf 
kein Faß mehr sicher ist. Hartes 
Geliger auf dem Stroh. Lang- 
würiges Geliger oder Kranken- 
bette. 

'"'"Gemachte n. oder die Gemacht- 
nuß letste Willensordnong, Erb- 
satz, Erbflchrifb, Yermächtnuß, 
testamentum. It. Erbbescheid, 
legatum. (Alte GO.) 

**Geminde, Gemttnd, Gmünd n. 



Handbreite, vier Finger höh« In 
diser Bedeutung kömmt das Wort 
in der Froschoweriscben Bibel II B. 
M. XXV 25 und XXVIII 12 vor. 
Hingegen in alten Wörterbüchern 
aus dem XVI. Jahrhundert heißt 
es bald eine Spanne extensio ma- 
nus, bald eine Ele ulna. In ei- 
nem Fünferurteile von 1406, wel- 
ches dem damaligen Besitzer des 
hiesigen Hauses zum Sessel gege- 
ben ward, wurden ihm in dem 
Höflein gegen der Schneiderga^e 
Lichter der Fenster erlaubt ein» 
gevnündes wit, mit isen ver- 
getteret 

genossen für geniest, stemutavit. 
Denn niesen stemutare ist ein 
gleiohflüssiges Zeitwort (verbum 
analogum) und unterschieden von 
nießen oder genießen frui, wel- 
ches Zeitwort ungleichfließend 
(anomalum) ist. 

Gepse f. flaches hölzernes Geschirr, 
worinnen man die Milch aufbe- 
hält. 

*Geren m. Schooß; Tiefung, die 
man mit den Vorderflügeln des 
Kleides macht, um Etwas aufzu- 
fangen; pfremium, nidus vestis. 

**Gerrendlin heißt in der hiesigen 
Sturmordnung von 1549 die Kriegs- 
fahne einer jeden Zunft. 

gerieft, grieft gerufen. Inf. riefen 
(rüefen). 

Gertel, m. Gertmesser, Hagmesser; 
falx arborea, putatoria. 

*Geriimpel heißt auch ein gemäng- 
tes Geköche von dürren Schnitzen, 
Quetschen, Pflaumen u. dgl. 

**Ge8eheidherren Gränzscheider,ün- 
tergän^er, finitores. Sie richten 
über die vor der Stadt wegen der 
Güter, Marken und Zäune entste- 
henden Streitigkeiten und über 
die daselbst vorgehenden Frevel. 
In der mehrem Stadt Basel wird 
der oberste Glescheidherr, der ein 
Glid des kleinen Bahtes ist, Ge- 
scheidmeyer genennt. 

♦♦Geschipp nennten unsere Alten 
das Geburtsglid. Die Brueder 
DichtUn (Zwitter) haben beide 
gschirr und machent eins umb 



18 



das ander (deui. Lykost* von 
Wundem). 

Cfeschliider n« Schmierwerk« Was 
er schreibet, ist nur ein GescMil- 
der. It. schmieriges Zeug. Die 
MetBger sollen kein Geschlüder 
Yon Beinen, Därmen und anderem 
Ohnrath in die Wage legen. 
(Metzgermand. von 1692)* 

Cfespan m. Schulfreund oder Schul- 
freund inn, Nebengeselle, Spiel- 
freund. Gespänle kleiner Schul- 
geselle, Kinder aus Einer Schule 
oder Nachbarschaft. Gespanhei&t 
bej den Bauern auch ein Pferd 
oder Bind, das mit einem andern 
eingespannt wird« Wenn zu ei- 
nem Dutzet Theeschalen, Gläsern, 
Messern u. dgl. ein Stück fehlet, 
80 heißt es ebenso: Es fehle der 
Gespan darzu. Dergleichen sagt 
man es von Dingen, die entparet 
werden. 

Gesuchte rheumatismus, artuum do- 
lor. Die Basler brauchen auch 
die Mehrzahl Gesuchter, 

^^gevSlgig folgsam, folgfertig, sequi 
paratus. Den Hauptleuten ge- 
wertig, gehorsam und gevölgig 
sein (alte Sturmord.). 

^^Gewandinaiiii Tuchhändler. 

♦geweben oder gewoben gewebt, 
textus, textilis. 

Ghnet (Gehüte) Hut, eine HerdeVieh, 
das man hütet. 

**giehtige]i einen üebelthäter, d. i. 
bekennen machen, foltern. 

**6ies8eii m. torrens. Bey den Al- 
ten heißt es auch der Austritt 
eines Flusses, da er einen Arm 
macht. 

'"'''Gil m. Bettler, mendicus. (altes 
Mandat). 

glersig gelehrig, gelehrsam; docilis. 

gleseht Oschirr geglästetes oder 
glästiges Geschirre. 

Gliby f. der Name eines Schlößchens 
an dem Beine unter dem mindern 
Basel, wofür yon einigen über- 
witzigen Schriftlingen der Name 
Klippech erdacht worden . . . 
AUso mag der Name Gliby, wie 
er noch immer von Jederman n aus- 
gesprochen wird, auch in Schrif- 
ten beybehalten werden; denn 



wenn Klippeck die rechte Be- 
nennung wäre, so würde man 
nach unserer Mundart der Klipp- 
eck und nicht die Klippeck sagen 
müssen. Zu geschweigen, daß 
weder Ecke noch Klippe daselbst 
zu sehen ist, womit man den lei- 
sten Namen rechtfertigen könnte. 

sein Gluck machen heißt bey dem 
gemeinen Volke: ein Hauskreuz 
nemen./ 

**glnnken, glunggen läuten, Sig- 
num campana dare. Wann man 
mit den Bathsgloggen stürmbt, 
das bedeutet Feiendsnoth. So 
man aber in Kilchspelen mit an- 
dern gloggen stürmbt und glun- 
gget, das bedeut Fewrsnoth. 
Stürmbt man aber mit derBabst- 
gloggen im Münster, so bedeut 
esWassersnoth. (BaseLSturmordn. 
von 1549). 

Glast m. die Lust, Begihrde, Ver- 
langen, Lüsternheit. Das Kind 
het en Ammool vonneme Glust 
siner Mueter. 

*Goekelhanbe war zu unserer Müter 
Zeiten noch eine auf beiden Sei- 
ten an den Ohren eyründlich her- 
ausstehende und mit stumpfen 
Ecken auf derStime und beider* 
seits steif geschlossene Frauen- 
haube. 

"''goldf^omm, vor welchen man alles 
Gold und Geld, ohne einige un- 
treue zu besorgen, darf ligen 
lassen. 

^Goidsehlaher Goldschläger, brac- 
teator. 

Gossete f. Gousset, Rautenstück oder 
ünterachselstück an einem Hemd- 
ärmel. 

^^Gotteshäuser nennet man nach 
dem Gebrauche unserer Alten 
Bistümer, Klöster und Tempel. 
Aber das ist tumm, wenn Einige 
das Zuchthaus zu Basel, weil es 
ehmals eine Kartaus gewesen, 
noch immer ein Gottshaus nen- 
nen wollen. Warum denn nicht 
auch das Komhaas, St. Albans 
Kloster, den Hof zu St« Klara 
u. dergl. Häuser daselbst? 

gottlos Stück Fleisch ist ein Schelt- 
name leichtfertiger Töchter oder 



19 



Mägde, zuweilen aach ein Schmei- 
chelname schalkhafter Mä^dchen. 

*6ott mir spricht, Gott mir ehit 
(eine Gattung Zwischenwörtchen, 
was Dunkles oder übel Verstan- 
denes zu erklären): das will so 
viel sagen als . • 

**Oottszieraiigeii Auszierungeo und 
Gebräuche bey feyerlichem Got- 
tesdienste« (alte Grabord.) 

♦♦Gras für Vorstadt, bey den Alten. 
Grasbürger Vorstädter. Daher 
mag es kommen, daß man ge- 
wisse Kinder, welche man samt 
den Eltern verachten und von den 
Städtern unterscheiden will, Gras- 
affen EU nennen pfleget. 

♦grätet Tuch unredliches Tuch, wel- 
ches zur Warnung der Käufer von 
den Schauherren geschrenzt wor- 
den. 

Gränseler, Grttslieher ein köstlicher 
Weinapfel, dessen kalter, säuer- 
licher Anbiß ein kleines Schau- 
em oder Gräuselen verursachet, 
daher auch vermuhtlich dessen 
Benennung kömmt. 

Gries n. das letste Mahl nach dem 
Bollmähl, Grütze, crimnum. 

gritzen Kleinigkeiten oder Klitter- 
schulden mit einander berechnen. 
Er het alle Märttag mit den Bu- 
ren z'gritzen. 

♦grobe Fragen die einföltigsten, mit 

froherer Schrift unterschiedenen 
ragen und Antworten in den ge- 
druckten Fragbüchem und Glau- 
bensunterrichten fürKinder. grobe 
Fragen nennet man auch im 
Scherze gewisse plumpe und un- 
gestümme Fragen, die mancher 
Mann nicht beantworten könnte. 

♦j^rotten eine öftere kleine Wasche 
halten wie Leute, die mit keinem 
übrigen weißen Gezeuge ver- 
sehen seyn. 

grözter Hanf gerößter Hanf, can- 
nabis fuviata« 

|p*ün nennen unsere Becker einen 
Teig, der nicht genug gehaben 
oder gegangen ist. 

Ortttli n. kleines Neureut oder aus- 
gereutetes Stück Landes* 

♦grüiiehteSehaeh gerauchte Schuhe, 
Leidschnhe, sonlierB bronz^» 



*6agel m. Spitzhut unserer Beamten 
in beiden Städten. 

*gttldene Hanken ein sehr niedliches 
Gebäcke von feinem Semmelmähl, 
gestoßenen Mandeln, Zucker, Zim- 
met und Zitronaten, welches alles 
unter einander gewirket, in einer 
gewissen Form wie Hohlziegel ge- 
haltet und in Butter ausgebacken 
wird. 

Gnmper ein deutscher Tanz, Bauem- 
tanz. 

*gnrlen sagt man von Solchen, die 
man französisch, welsch oderPa- 
tois mit einander reden höret und 
nicht verstehet. 

Gntter, Gutterä f* große gläserne 
Bauchflasche, ampulla vitrea. 
Branntweingutter, Dintengutter, 
Essiggutter: lauter Flaschen mit 
einem Gießschnabel. — Gutter 
ist auch ein Spottname ^wisser 
Weibsbilder, die an kneipichter 
Leibsgestalt eine Bauclmasche 
beschämen sollten. 

**gyren werfen zum Raube aus- 
werfen, wie die **Grielgelder 
missilia. 

Haberräf n. Habersense, merga, 
falx avenaria. 

*Habit n. Faltenrock eines Bahts- 
herm, Professors oder Predigers. 

Hafenbraten ein gehacktes Essen 
von übrig gebliebenem Braten u. 
dgl., minutal. Die Alten nennten 
es In^eslachti. 

Hafenkäs allerhand Käsbrocken, die 
man in einen Topf zusammenlog 
und, nachdem man sie mit Wem 
begossen, auf einander faulen läßt; 
tvrotarichus. 

Häfeli: um ein alt Häfeli ein neu 
Tüpfi kaufen sagt man von jun- 
gen Wittwen alter und reicher 
S^mer, aus deren Verlassenschaft 
sie die Mittel ziehen, die Nach- 
folger nach Wunsche zu erwählen. 

Häfeuschnel Kinderschule. Holl. 
Kakschool. Häfelischuelbäsi die 
eine Kinderschule hält. 

Hagil : Er wird ankommen wie der 
Hagel in die Stoppeln ist eine 
leichtfertige Redensart des Pöbels, 
wenn man von Jemand redt, der 




20 



nicht findet, was er suclit, oder 
der gar mit einem blauen Auge 
abziehen mnB. 

Hahne m. Faßkran, epistomium. Es 
ist Backen (mucor) am Hahnen. 
Das Beiberlein am Hahnen. Der 
Hahnen ist zugefroren. 

"^Hakensehützen nennet man bej uns 
die Schmalgelehrten und die Ge- 
ringem aus jedem Stande. 

Halber m. Spreusack* (Ist ein 
Landw.). 

Halm m. hölzerner Stiel an einem 
eisernen Werkzeuge, wie an einer 
Axt, capulum. (Ist ein Land- 
wort). 

^Halseisen Branger, Kack, Staup- 
säule; numellae, palus infamis. 
Einen Dieb an das Halseisen 
stellen. 

'''hänen disseits, eis, citra. Hänet 
dem Bin disseits des Beines. 
Hänemer disseitige nennen sich 
die Eleinbasler in Ansehung der 
Großbasier, und dise hinwider 
in Ansehung der Erstem. 

Häre f . Yogelstrick. Einem in die 
Häre laufen d. i. Einem in den 
Fang laufen und eben recht zur 
Strafe kommen« 

**har8eUich ernstlich, streng. Eine 
harschliche Stimme; ein harsch- 
licher Mann; ein harschliches 
Meisterweib, regina. 

"^^Hartknecht Forstknecht. 

'*''*'HartYOgt Forstknecht, Holzbann- 
wart ; Beamter, der das Anschlag- 
beil führet. 

'^'Harzkiiolleii nennet man in der 
Schule auf Burg die Schüler, 
welche man bej den jährlichen 
Beförderangen in eine höhere 
Ordnung unter den untüchtigen 
sitzen läBt. 

**Haabtkaiiiie heißt in den alten 
Ordnungen zu Basel und zu 
Straßburg ein beständiger Wein- 
schenke, der seinen Gästen zu- 
gleich eine Mahlzeit zurüsten, sie 
aber nicht über Nacht beherber- 
gen darf. 

hanen heißt in der Schalsprache 
mit der Buhten dermaßen züch- 
tigen, daß die rohte iBrühe nach- 
lauft Ist wichtiger als faulen 



d. i« 80 züchtiffen, daß der Leib 
daryon zündroht wird. 

'''Haasehre nennen unsere alten 
Männer noch ein frommes und 
liebes Ehweib. 

^'''Haasfeiirer nennte man ehdessen 
diejenigen Becker zu Basel, wel- 
che in der Stadt selbsten wohn- 
ten und den Bürgern ihr Haus- 
brot zu backen, darbey aber nur 
schwarzes Brot zu verkaufen 
pflegten, zum unterschiede der- 
jenigen Becker, welche in den 
vorstftdten oder in der kleinen 
Stadt wohnten und nur weißes 
Brot verkauften« 

Hanshälterlein ein kleiner Ansatz 
von Blech oder Eisen mit drei 
Spitzen, welchen man auf einem 
Lichtstooke befestigt, die Kerzen- 
stümpfen, welche in der Hülse 
nicht mehr brennen mögen, dar- 
auf zu stecken und vollends aus- 
zubrennen. Wird auch ein Pro- 
fitlein benennt. 

HansknecEt Keller (sie) in einem 
Wirtshause. 

'^'^Haiifllohii ist ein Gefälle in Fmcht, 
welches von einem jeden Sacke, 
der im Komhause verkauft wird, 
dem Schaffner desselbigen muß 
gelifert, von disem aber verkauft 
und der Obri^eit verrechnet 
werden. Diser Hauslohn beträgt 
ungefähr einen halben Becher. 

''''''Hansmeister werden in der min- 
dern Stadt Basel die obersten 
Herren Meister in den drey Ehren- 
gesellschaften genannt. 

"'Hanssehlitten leichte Schlichten 
oder Wülste, deren man sich zu 
einer kurzen Lustfahrt auf der 
Schneebahn bedienet. Sie seyn 
. gemeiniglich mit einem ausge- 
schnidtenen Bilde geziert. 

Hebe f. der Hefel oder Sauerteig, 
fermentum. 

*HechelgankeI f. vermumter Fas- 
nachtoiarr. Heißt nach demBuch- 
staben ein räuberischer Gaukler, 
von hechen, hecken, anhäkeln, 
weil sich dergleichen Bursche 
ehmals die Freyheit angemaßt, 
Qbst, Wecken u. dgl., wo sie 
darzn kamen, wegzuschnappen. 



ii 



Belli bieten silentia jubere, wird 
gesagt, wenn eine Rahtshandlung 
^ebeim bleiben soll. 

Heikel pöbelhaft für Heinrich. 
Heikeil ein Bübchen dises Na- 
mens. 

**der helBe Stein hei£t bey uns 
der große platte Stein vor dem 
Halseisen, worauf die Läster- 
schriften verbrannt werden und 
zuweilen die üebeltähter nach 
dem Brangerstande noch eine 
Strafe ausstehen müssen. Ein 
solcher heißer Stein ist auch in 
der mindern Stadt zwischen dem 
Bichthause und der Metzgerbank 
zu sehen. Er hat aber die Bedeu- 
tung längst verloren. 

Helgen Heilige, Bilder - Heiligen, 
und überhaubt allerlej gedruckte 
oder gezeichnete Floren von 
Menschen, Tieren undGewächsen. 
Ein Gelehrter, der nur die Hel- 
gen in den Büchern beschaut. 
Viele gedruckte Helden und 
Gelehrte sind ledige Helgen für 
Kinder, 

*he\y Wog (heilig Wag) heiliges 
Wasser: ist ein eigenes eingebil- 
detes Weih- und Segenwasser viel 
abergläubischer Landleute in dem 
Kanton Basel. Sie pflegen näm- 
lich an dem Morgen des Christ- 
festes, alldieweil die Glocke den 
anbrechenden Tag oder die Bet- 
zeit ankündiget, ihr Vieh zu 
tränken, und in jedem Hause der- 
selben findet sich Jemand an dem 
Brunnen ein, der unter dem 
Schalle der Prühglocke das hely 
Wog hohlen muß. Ein Anderer 
stehet inzwischen an der Tühre 
inner dem Hause, wartet auf die 
Person, die dasselbige herbringt, 
läßt sie erstlich anklopfen und 
fragt sie dann, was sie trage. 
Darauf lautet die Antwort: 
hely Wog, 
Gottes Gobj 
Glück in's Hus 
und Unglück drus. 
Darmit wird die Tühre geöffnet 
und der Träger des gesegneten 
Wassers hineingelassen. Disem 
heiligen Wage schreiben unsere 



Bauern wie auch viele fiauem 
in dem Breisgau eine sonderbare 
Kraft zu, alles Unheil aus dem 
Hause zu verbannen und lauter 
Segen darein zu bringen. Solchem 
Aberglauben nach Möglichkeit 
zu steuern, ist an einigen Orten 
unserer Landschaft dem Klöckner 
untersagt worden, die Frühklocke 
an dem Christfeste mehr anzu- 
ziehen. Wer weiß, ob nicht vor- 
gedachte Brünne des Baselgebie- 
tes und Schwarzwaldes so manche 
Taufbrünne gewesen, welchen 
man bei fortwährendem Aber- 
glauben um so viel eher eine 
Heilkraft zugeschrieben, weil man 
in den ersten christlichen Zeiten 
lange geglaubt, daß das Tauf- 
wasser beides die Krankheit der 
Seele und des Leibes hinweg- 
neme, so gar, daß auch ^roße 
Herren ihre Taufe bis auf ein 
Krankenlager verspahrt haben. 
Einmal wüßte man keine bessere 
Ursache anzuführen, warum ei- 
nige Wasser unsers Landes vor 
andern heilig genennt und für 
heilkräftig geachtet werden, als 
daß eine heilige Verrichtung, wie 
die Taufe, elmials darbey möchte 
vorgegangen seyn. 

*Hermlem kleiner Bock. HermH- 
butsch Böckleinstoßen, ist ein 
bekanntes Spiel unter den Eändem 
zu Basel. 

^Herrenvogel Häher, Hätzei, garrn- 
lus. Anderswo nennet man also 
einen Falken, 

♦♦Hepzensbrast m. crövecoeur. Von 
bersten, crepare, difßndi. Den 
Hochdeutschen fehlt dis Wort. 

Henwetternebel oder trockener 
Nebel nennen unsere Landleute 
die dünnen weißen Wolken, die 
in dem Sonmier leicht auffahren 
und schönes Wetter anzeigen. 

*Himmelbrot ein gepreßtes Brot, 
welches aus einem Gemänge von 
Nußkemen,gekochtenBimhutzeln 
und gebrosamter Semmel bereitet 
wird. 

^Himnielze f. der Himmel über einem 
Bette, conopeum. 

binden vornen weder hSher sagt 



22 



man für hinten b($her als vorn, 
wenn man ein sonderbares Buckel« 
gewäcbse beschreiben will. 

Hindergrät Hintergerähie, Hinter- 
zeug, Schwanzrieme, postilena. 

Hobelspäne ein dünnes und nied- 
liches Gebäcke von Eyerweiß, 
Zucker und Mandeln, wie Hobel- 
späne gestaltet. 

Hoehfüßlein gläserner Spitzkelch. 

**hochffeacht ein Titel hoher Gli- 
der des innem oder kleinen Rah- 
tes. Seyn es hochverdiente Män- 
ner oder sogenannte Yiri consu- 
lares, so gehöret ihnen auch nach 
der heutigen Schreibart das 
**Wolgehohren, 

'*'*hoehgelehrt nennet man einen Doc • 
torem, Professorem, Pastorem und 
Yirum clarissimum oder Lehrer 
derWeltweysheit, der mit seiner 
Feder schon einen Namen erwor- 
ben. **wolgelehrt nennet man 
einen jeden Magister und Land- 
pfarrer, der sich nicht sonderlich 
hervortuhn will, »höh- und wol- 
gelehrt^ ist unschicklich gesagt. 

'^'''Uoehkanzler keiserlicher Kanzler, 
(alt. Eanzleyschr.) 

♦♦hochloWich hochlöblich. 

*Hochraiii Furchrain, das erhabene 
Erdreich zwischen zwo Furchen« 

'*'*Hochrente oder Reute heißt in 
unserm Gebiete ein ausgerodeter 
Ort oder Neubruch in einem 
Hochwalde oder obrigkeitlichen 
Walde. 

^hochstndirt, hochgstudiert hoch- 
gelehrt. Eine hochstudirte Predig 
eine verstiegene , unerbauliche 
Eanzelrede. 

♦♦Hochwald ein verbotener obrig- 
keitlicher Wald. 

**hochweyse, Hochweysheit gehö- 
ret zu dem vollständigen Titel 
eines Haubtes unsers Freystandes. 
Hochwolgebohrner, Hochweyser, 
Gnädiger Herr. Euere (Euerer) 
Hochwolgebohren Hochweysheit, 
und Gnaden. Oder kürzer: Euere 
Gnaden^GnädigerHerr. Franz.Mon* 
seigneur,Excellence. In dermebrem 
Zahl: Euere Hochwolgebohren, 
Hochweysheiten und Gnaden. 

♦♦hoebwofehpwüpdig, Hochwolehr- 



würde ist der eigentliche Titel 
eines Helfers bey einer Stadt- 
kirche, wie auch des Oberhelfers, 
deß^leichen eines Oberalten oder 
Senioris unter den Herren Pfar- 
rern auf der Landschaft. 

**hochwttrdig, Hochwürde ist der 
gebürende Titel eines obersten 
Pfarrers wie auch eines Decani 
oder Haubtes des gottsgelehrten 
Ordens bey der hohen Schule. 

hSckeln mit Nüssen spielen, wie 
die Jungen, welche deren vier 
aufeinander setzen und mit einer 
sch'^ären NuB^ welche sie den 
Böler nennen, darauf werfen. 

^hofen (Landw.) das Hochzeitsfest 
begehen. 

höffertiff seyn sa^ man von einer 
Jungfer, die ein Kind aus der 
Taufe hebet oder eine Hochzeit 
zieren hilft. Wenn das Wort 
disen Verstand hat, so ist der 
Laut auf der ersten Sylbe. Soll 
e^saber soviel als «^o{« bedeuten, 
so heißt es höffdrtig mit einem 
hellen Langlaute in der Mitte. 

♦*hebedel ein Titel ansehenlicher 
Glider des großen Rahtes wie 
auch vortrefflicher Künstler. Seyn 
es versuchte Kriegsleute, so hei- 
ßen sie hohedelfest oder hohedel 
und nohtfest Man schreibet 
auch an eine ansehenliche Mit- 
bürgerinn hochedle Gönnerinn. 
*Jwh- und woledeU will nichts 
sagen, wenn nur Eine Person 
darmit gemeynt ist. 

''''^'hohedelgebolureii ist in Deutsch- 
land der gewöhnliche Titel der 
Hochlehrer oder Professoren der 
Rechte, derArzneyund derWelt- 
weysheit, wie auch unserer Stats- 
glider aus dem Herrenstande und 
der obem Kanzleybeamten, son- 
derlich wenn sie zugleich Docto- 
res und Licentiati seyn. 

**hohehre]ider Herr ist lächerlich 
gesagt für hochgeehrter Herr. 
Benn der Hohehrende ist nicht 
der, welchen man anredt, sondern 
der Anredende. 

•*hohehrwlirdig, Hohehrwürde ist 
der gebürende Titel eines Haubt- 
oder 0beq[)farrer8, wie auch eines 



23 



Professors in der Gottsgelehrtheit, 
deßgleichen eines Dekans auf der 
Landschaft. 

'^^hoherfahren oder hochgelehrt 
wird ein Doctor und Professor 
Medicinae betitelt Man pfleget 
auch das hohedelgebohren vor- 
zusetzen, wenn man an einen 
Professoren! schreibet. 

**hoherleaehtet und hochgelehrt 
wird ein Hochlehrer der Rechte 
betitelt, da man zugleich das hoh- 
edelgebohren vorzusetzen pfleget. 

*H$b]ie f. Entrüstung, Zorn, indi- 
gnatio, ira. Wird zu Basel nur 
im Scherze, in der übrigen Schweiz 
aber im bitteren Ernste gebraucht. 

*hölder Einem seyn als Andern für 
holder. 

*H911e nennet man hier das geheime 
Mittelfach an einem beschlüssigen 
und aas etlichen Reihen von 
Schubladen bestehenden Schreib- 
tische. 

*H811küclileiii Geschenke, die ein 
Richter oder Beamter wider Eid, 
Ehre und Gewissen annimmt. 

Hopper m. deutscher Tanz, oder 
ungeschickter springender Tanz 
ohne Schlag und Maß. 

^hiSren sagen unsere Landleutc, wie 
die übrigen Schweizer, für zuge- 
hören, pertinere; zuweilen auch 
für gehorchen, obedire. 

^Hornaffen FemterzwickeL 

hoschen anklopfen. Hoscheho ist 
das Rufen vor einer Tühre ohne 
Klopfer oder Schelle, damit Je- 
mand vom Hause herbejkomme 
und Gehöre gebe. DenHoscheho 
fleißig vor der Tühre haben d.i« 
von den Gläubigem streng ge- 
mahnt werden. 

**Hoseii (altes Wort) für Strümpfe, 
In einer alten Zunftordnung aus 
dem 15. Jh« wird geboten, daß 
bey den Begräbnissen kein Zunft- 
bruder ohne Hosen, d.i. barfuß, 
erscheinen solle. 

*Ho8enkocher Eleiderkrämpler, Alt- 
reiß, Altbutzer; scrutanus, vete- 
ramentarius. 

* Hosenlismer Strumpfstricker, 
Strumpfweber, sonderlich der mit 
grober Waare handelt« 



Hosensackriemen nennen unsere 
Metzger ein Stück Fleisch hinten 
an dem Yorderbuge dos Ochsen. 

♦♦httffelig fröhlich. 

Hälldß für Hunde, canes. Fründwie 
Hund Freunde wie Hunde. 

Hnnd auch Jochstößel, Bätze, Ram- 
me; fistuca. 

Hund der gröste Darm eines Schweins. 
Spottsweise sagt man den Hund 
füllen sich voll fressen, sich 
sacken. 

Hnndsgeiff e ein unvernünftiger Spott- 
name mr Mägdchen, der ^leich- 
wol mancher Muter, die sich zu 
den ehrbarsten Weibern zählet, 
zu entwischen pfleget. 

*Hnnk f. kleiner Winkel. In einem 
solchen Winkel ligt zu Basel das 
■ sogenannte Haus im HunkelL 

Hurenfosll n. junges Hürchen. Ist 
gleichwol ein gemeiner Scherz- 
name, den die Müter ihren Töch- 
terchen vor ehrlichen Zeugen 
geben. 

HnrenlScklein nennte man noch zu 
unsem Zeiten die Stimlöcklein 
der Handwerks&auen oder -Töch- 
ter, alldieweil ander Frauenzim- 
mer nur darum, daß es sich vor- 
nemer schätzte, dieselbigen un- 
schuldig zu tra^n pflegte. 

*Huren8e1ienkellem ein Gebäcke 
in Gestalt kleiner Lackstängel, 
wozu der Teig von Semmelmähl, 
Eyer, Butter und Zucker bereitet 
wird. Wer günstig reden will, 
nennet sie Ehrenpreis, 

*das Hiitlein trillen zu Gevatem 
bitten. Die Redensart ist von 
den Bauern entlehnt, welche bey 
dergleichen Verrichtungen vor 
Aengsten den Hut herumzudrehen 
pflegen. 

Hutzigyre m. heißt bey den Bau« 
em ein Fasnachtsbutz, der sich 
in einen wilden Vogel, als in ei- 
nen Greifen, Raben u. dgl. ver- 
kleidet und sich in diser Ge- 
stalt die Freyheit gibt, allerhand 
Eßwaaren zu erschnappen. 

*Jane m. ein Sonderstück oder 
Schmalteil eines Rebbergs, der in 
dem Herbste in gewisse Janen 



u 



abgeteilt wird, woTOn eine Anzahl 
Arbeiter disen Janen, eine andere 
Anzahl einen andern Janen ab- 
herbsten muß. Sie ist aus dem 
Janen, sie taugt nicht mehr in 
Herbst, sagt man von einerFraaen, 
die sich in der Bahel Weise nicht 
mehr finden kan« 

jaadlen tauschen, verkehren und 
wuchern wie die Juden. 

jeweilig jedesmalig. Jeweiliger 
Landvogt. Auf jeweiliges An- 
suchen. Man verwuntiert sich 
billig, daß auch Solche, die 
jeweilen bestellt seyn, vor An- 
dern rein za schreiben, derglei- 
chen alemannische ünzierden noch 
in ihre Schriften mängen. 

**jewe8end jedesmalig, der jeza- 
zeiten ist oder ein Amt bekleidet. 
Ein Exempel darvon s. in der 
hies. Sturmord, von 1686. Dises 
Wort hätte man anstatt des un- 
deutschen Wortes jeweilig bey- 
behalten sollen. 

^Immentrost Honi^aben. 

^'''iiiiinerhin ist eigentlich das lat. 
ilicet. Es gebrauchens aber die 
Bedner und Schreiber zu Basel 
für immerzu, allezeit. 

-is ist eine gewöhnliche Endung in 
der Baslersprache, etwas Spötti- 
sches oderVerhaßtes auszudrücken; 
z. E. in Bachis, Binkis, Bschorifi, 
Dukis, Eaperukis, Bupis und 
Dupis u. dgl. 

Jnnte f. Weiberrock. Den Namen 
empfieng dise Kleidung, als man 
sie noch mit vielen kleinen Pal- 
ten verfertigte. Bey veränderter 
Mode währet derselbige dennoch 
fort. 

Kachelmnes ein gewisser Brey von 
feinem Mahl, Milch und Eyem 
und mit Zocker bestreut. 

Kämmerlein nennet man hier einen 
gemieteten Ort, da sich des Abends 
eine erlesene Gesellschaft bey ei- 
ner Pfeife Taback auf ein Ge- 
spräche versammelt* 

*auf die Kanzel studiren sich dem 
Predigtamte widmen, der Gottes- 
gelehrtheit obligen. 

Karfunkel m. Giftbeule, carbuncu- 



lu8. Zu Basel heißt also eind 
jede von Flüssen entstehende Ge- 
schwulst oder Entzündung, lavr 
f ender Karfunkel ein unstetes 
Gesuchte. 

*Kfiafler heißt zu Basel der Gant- 
meister. Anderswo heißt Käufler 
ein Kleiderkrämer, Altbüßer, 
Trödelmann. 

Känflerinn eine Frau, die allerley 
Kleider, Tuch, Kleinodien und Ge- 
rähte zum Verkaufe in die Häuser 
bringet. 

Kemenmfihl Kemmähl, das Mittel- 
mahl zwischen dem Semmelmähl 
und BoUmähl. 

Kett n. das rechte, inwendige Holz 
der Bäume, caro li^i. Auf das 
Kett folget der Spint d. i. der 
waiche und weiße Teil des 
Holzes. 

Kilbi f. Kirchmesse, Kirchweihe. It. 
eine Lustbarkeit. Sy Kilbi mit 
Eim ha Jemand zum Besten 
haben, sein Spiel mit ihm treiben. 

*Kilehensehltt88el der der Erste und 
Letste in allen Predigten ist; con- 
cionalis senex v. vetula. 

ein Kind heben d. i. aus der Taufe 
heben, zu Gtovatem stehen. Bruut 
und Brykum (Bräutigam) hend 
ä Kind mitenander ghebt. 

Kindlein der geringe und kurze 
Hanf, der zum Ertrage in die 
Docken eingelegt wird. 

*Kinggerte f. Königsgerte, Kern- 
gerte, Bein- oder Mundholz, Bein- 
weide; ligustrum. 

Kirchmayer Kirchschafiber; Ver- 
walter des Kiichengutes in einem 
Dorfe. 

*Kläffler Klappermann, der mit der 
Klapper von Hause zu Hause das 
Almosen für die Kirchen ein- 
sammelt. 

"""Klägde f. schreiben noch unsere 
Gelehrten für Klage. 

*Kleibener Hafner, Töpfer. 

klenken heißt man auf den Dörfern 
das letste Zeichen zum Gottes- 
dienste läuten, klenken bedeutet 
auch in den Klöstern so viel als 
zur Andacht läuten. 

*an den Klopfer stellen wird ge- 
sagt, wenn man ein Frauen- 



26 



zimmer, welchem man bey einer 
Gesellschaft aufgewartet, des 
Abends bis an dessen Wohnung 
begleitet, ohne sich weiters dar- 
mit bemühen zu dörfen. 

Kliipfel m. einbölzer- oder eiserner 
runder Hammer der Bildschnitzer 
und Steinmetzen, womit sie auf 
den Meißel schlagen. 

Knechtlein der Schieber in einem 
Lichtstocke, die Kerze darmit 
auf- und niderzulassen ; Licht- 
schieber. 

''"Knöpfleiniaejel ein gewisses knöpfi- 
ges Trinkglas. 

kochen sagen unsere Landleute sehr 
ausdrücksam von einem Wetter, 
wenn sieb ein gräßliches Ge wölke 
zusammenziehet und einen gefähr- 
lichen Ausbruch drohet. 

"^Kopfhänni Babenstein. 

Korn nennet man zu Basel den Spelz 
oder Dinkel mit der Spreu, und 
Kern oder Kernen ohne Spreu. 

Kräzentrft^er Wanderkrämer, 
Marktrufer. 

ein Krenz an die Büne machen wird 
gesagt odergeschiht auch wirk- 
lich, bald mit Kohlen, bald mit 
Kreiden, wenn man über Jemands 
seltene Erscheinung oder unver- 
muhtetes Wolverhalten seine Ver- 
wunderung bezeugen oder, als 
über ein Zauberwerk, sich ver- 
kreuzigen und das Haus mit dem 
heiligen Zeichen ^darwider ver- 
wahren will. 

*kriften ein Pferd d* i. solches 
kräftigen und seine Eisen auf das 
Eis schärfen. 

*Kr8nli Spitzen, dentales. 

*Kr)$nlidintel Spitzenklöppel 

*Krönlilade Lade, worauf man 
Spitzen klöppelt. 

^Kronlimnster nennet man im 
Scherze den figurirten Stein und 
Schifer an dem Gebisse gewisser 
ünfläter und Unfläterinnen. 

"^KrQs n. Faltkragen. Ganze Kröser, 
die nur aus Einer Reihe hoher 
Falten bestehen, eignet man den 
Herren Geistlichen zu; gestückelte 
Kröser, die aus etlichen Reihen 
schlangenlinichter und über ein- 
ander gerichteter Falten bestehen. 



seyn bey uns ein Kennzeichen 
weltlicher Standspersonen und der 
meisten akademischen Lehrer. 

"^kriJseln ein Krös aufsetzen und in 
Falten steifen, welches ein eige- 
ner Beruf der *Kröslerinnen ist. 

Kr$speli f. heißt man das zerrie- 
bene und in zerlassener Butter 
braun geröstete Brot, welches auf 
Aepfelmüser, Erbsen und einige 
Suppen getahn wird. In Sachsen 
heißt dieses Geröste ein amier 
Mann, weil es nicht viel kostet, 
obschon es wol schmecket. 

"^Krösseheiben seyn besondere runde 
zinnerne Blatten oder Scheiben, 
worauf die Kröslerinnen die Krö- 
ser zurechtsetzen und in steife 
und gleiche Falten ordnen. 

'*'Kii«hen8ehlÜ88el ein angeschmier- 
ter Strich oder Flecken von Ruß 
oder Kohlen im Gesichte, den 
man in der Küche erhohlet. La- 
teinischer oder gelehrter Küchen- 
schlüssel: ein Dintenflecken um 
Mund und Nase. 

"^kündig geizig, karg. Kündigkeit 
Geiz. 

*Kuenz m. Spieldocke; marion^te. 
It. ein possichter, spaßhafter Kerl. 
Kuenz und Benz Alle und Jede 
ohne Unterschied. Kunz oder 
Benz, mir ist alles gleich; Tros 
Rtttulusve faat nuUo discrimine 
habetur. 

^Knenzenspiel Dockenspiel; jen de 
Marion^tes. Kuenzenspieler, 
Dockenspieler. 

Kühweide für Heimat, Vaterland. 
Wenn Jemand besorget, zu weit 
von den Seinigen oder sonst in 
die Irre geführt zu werden, so 
pfleget man ihm den Trost zu 
geben, er sey nicht aus der Küh- 
weide. 

Kiindenhans das Haus eines Kund- 
manns, da ein Handwerksmann 
in Arbeit sitzet oder stehet, son- 
derlich wenn von Schneidern die 
Rede ist. Den Schneider in das 
Kundenhaus nemen oder in dem 
Kundenhause haben sagen oft 
Diejenigen Selbsten von ihrem ei- 
genen Hause, bey denen der 
Schneider wirklich arbeitet. 



26 



Kmistliafeii oder Rutschhafen ist 
ein sogenannter Sappenhafen 
ohne Füße, den man mit der 
Ofengabel in den Stubenofen hebt 
oder ratschet, daß man kein be- 
sonder Feuer darzu nöhtig habe. 

*Kate f. kleine Grube, dergleichen 
die Buben machen, wenn sie mit 
Schnellem spielen. Zur Selten- 
heit wird etwann auch das Kinn- 
grdbchen eine Kute oder ein 
Küteli genennet. 

Kuttelhans da die Metzjger die Ge- 
därme ihrer Schlachtrmder butzen 
lassen. Kuttler heißt, der die 
Verrichtung und Aufsicht in di- 
sem Hause hat. 

Lade f. Lädlein, Schächtelchen. Die 
Landleute sagen TTUcke und 
Trüdclein. 

""^Ladenherren oder kurz das La- 
denamt seyn drey kleine Rähte 
und ein groß Rahtsglid, welche 
die Zinse von denen auf obrig- 
keitlichem Boden stehenden Kauf- 
läden und Gebäuden einziehen* 

**Läg6P Lager, Heerlager, Schlaf- 



t"^' 



**lägepeii sich sich lagern. 

Lähen Lehn, feudum, emphyteusis. 
Lähervmannläoim ann,Lehnmann, 
Mayer, Hofbauer, Zinsmann, co- 
lonus. *Erblähenmann Erbzins- 
mann, emphyteuta. "^ 

*LällenkSnig ist auf dem Beintohre 
zu Basel ein aufgesteckter Kopf, 
der mit seiner Lalle die Minuten 
zeiget und von den Handwerks- 
buT sehen als ein Wahrzeichen 
fleißig betrachtet wird. 

'*''*'Landrecht Einsitz- und Bürger- 
recht eines Landmanns oder On- 
tertahnen in einem Flecken oder 
Dorfe (basel. Landsord.) 

Lanstock Lohkuchen, Gärberkäs, 
Lohstock. 

'^'^Lantersinii f. das Aich- oder ge- 
schworene Maß flüssiger Dinge 
ohne die Hefen. F.in Saum Wem 
Lautersinn ist 96 Maß, Truobsinn 
hingegen 100 Maß. 

Leckerlein, LecJMlchlein und aus 
Mißverstände in der gemeinen 
Aussprache LebkilecMi bedeuten 



so viel als Arzney- Gesund- oder 
Heilküchlein. 

^Lehrgotte wird eine Schulhalterinn 
von ihren Jüngerinnen genennt. 

**leiblos eines gewaltsamen Todes 
gestorben; sich leiblos machen: 
sich umbringen, unsere Alten 
sagten auch geleiblost für umge- 
bracht. Heutzutage heißt leiblos 
immaterialis, quod null! jungitur 
corpori, körperlos, unkörperlich. 

^Leidjltoß des Frauenzimmers war 
vor disem ein ungehearer Schlup* 
fer, wenigstens l}4 Elen lang 
und eben so breit, mit Trauer- 
tuch überzogen und an beiden 
Enden mit schwarzem krausem 
Beize versehen. An den Leich- 
begängnissen, da man die Wei- 
ber darbey noch gestattete, ward 
der Leidstoß ganz auseinander 
gedehnt und zu Bezeugung der 
tiefen Trauer bis an die halben 
Arme gezogen, daß man kaum 
die Elenbogenspiize darvon er- 
blickte. Außerdem aber, bey dem 
Kirchgange und sonst, zog man 
den Beizsack in die Falten, damit 
das steife weiße Zeug an den 
Händen nicht in Unordnung ge- 
riehte. 

**Leis Waide, pascua. Darvon hat 
die Leis in Basel bey St. Leon- 
hard, wo<^Jdie Metzger vormals 
ihre Ochsen geweidet, den Namen. 

Leitfässer heißen die FSsse% worin- 
nen man im Herbste die getrete- 
nen Trauben zu der Kelter und 
bey den Brausten das Wasser 
herbeyzuführen pflegt, und die zu 
disem Gebrauche mit einem gros- 
sen Laden in der Mitte versehen 
seyn. 

Lescni, Hafnerleschi Häfhergläst- 
ung, lorica testacea. 

*Lieke f* ein besonderer Brey von 
feinem Mahl. Wachs und Ler- 
chenharz, womit die Weiber das 
Bettzeug beschmieren, damit die 
Federn keinen Abgang leiden. 

blicken ein Bette, heißt solches mit 
dergleichen Brey beschmieren. 

Lieehtete f. eineYersammlung guter 
Freunde und Freundinnen, die 
nach dem Nachtessen eine Kurz- 



27 



weil i^end anstellen und eine 
lange Wintemaclit einander yer- 
kürzen. Das beißt m&n z^Liecht 
go. Eine solche Liechtete nennt 
man in Schwaben einen Karz, 
Ton den Kersen, die ein Jedes, 
wenn die Kehre an ihm ist, dar- 
zu stiftet. 

Liechtiftt Freunde und Freundinnen, 
die einen Nachtbesuch bey Je- 
mand abstatten« 

^lins (Landw.) leise, sacht, sanft, 
snbmissus, lenis. 

^Lismer der da grobes Strickwerk, 
als Kappen, Bauern- und Winter- 
strümpfe u* dgl. verfertiget. 

Lismernadeln sonderbar grobdStrick- 
nadeln oder Strickhölzer. 

*Litteiie versoffenes Weib; cempo- 
trix, yinosa vetula. Von dem 
altfr. lid Getränke, potulentum, 
sicera. Daher in dem aleman- 
nischen Landrechte die Wein- 
schenken, caupones, Litgeben und 
von den Neuem aus Miß verstande 
Leygeben genennt werden. 

♦♦loblich löblich, löblicher Stand 
Basel hochlöblicher Stand Basel. 

♦Lodel m. das zotichte Ende an 
einem Gewebe. Von Lode Zote 
von Haren oder Faden. 

Logel, Logelä f. hölzernes Weinge- 
fösse mit einem Deckel und Schna- 
bel, dergleichen man den Schnid- 
tem in der Aemde zuträgt. It. 
ein versoffener Kerl, bibo. 

♦♦Lohbänme soll heißen Lachbäume. 
Lohen und Märchen Lachen 
und Marken, (basel. Landsord.) 

♦♦Lohnherr ein Bedienter des Bau- 
amtes, der die Aufsicht über die 
obrigkeitlichen Bauvorrahtshäu- 
ser hat, denen zu den Stadtge- 
bäuden bestellten Arbeitern und 
Handwerkern ihre Arbeit vor- 
schreibet und sie bezahlet, wozu 
auch ein Lohnschreiber verord- 
net ist. Beide samt denen unter 
ihnen stehenden Arbeitern wer- 
den unter dem Namen deaLohn- 
amtes begriffen. An dem Lohn- 
amte schaffen wird nur von Tag- 
löhnem und Handlangern gesa^. 

♦ein istiger Lue eine derbe Lflffe. 

♦Lotsche f. Grube, dergleichen die 



Knaben in die Erden machen 
wenn sie mit Schnellkügelchen 
spielen. Lötschlin im Kinne, 
Kinngrübchen. — Lotsche nen- 
nen auch die Schiffleute ein ge- 
fährliches Loch in einem Wasser. 

Lnmpenmäble eine ärmliche und oft 
müßige Papirmühle. Lumpen- 
m/üller ein armseliger, unge- 
schickter und schlecht versehener 
Papirer. 

♦Lnoginsland heißt bey unsern Bau- 
ern ein Stemkucker, Wetter- 
schauer, Kalendermacher. — Luo- 
ginsland nennte man hierehmals 
eine Warte, speculam. Den vier- 
ten Theil der Statt, so da an- 
fahet beyEgloffs, genant Spalen- 
thor, bis an den Thum Z/t^o^in«- 
land zuom nüwen Pollwerck 
sollen die Schnider und Metzger 
behüttten und versorgen, den 
fünften Theil der Statt aber, so 
da anfahet bey dem Thum Luo- 
ginsland bis an St. Thomans 
Thum am Rhein bey St. Johann 
die Brotbecken, Gärtner, Schiff- 
leute und Vischer (alte Sturm- 
ord, von 1549). 

♦mtzel: es geht lützel her d. i. 
kärglich, ärmlich. 

♦Lntzer m. eine luzernische Scheide- 
münze, «die einen halben Plapp- 
hart oder 6 Pfenninge p^lt. Heißt 
auch Lutzer-Schilling in der Mit- 
telschweiz. 

*Laiisterf^aii weyse Frau, Weh- 
muter, Hebamme, Vorwärterinn. 
(Ist ein Landwort). Heißt eigent- 
lich eine Lausjcherinn. 

Lybli Leibchen, Brustkleid eines 
Frauenzimmers. 

Lyre Leyer. Jt. ein Drehfaß zum 
Buttern. 

machen wird hier öfters ohne Zu- 
satz gebraucht, wodurch die Bede 
zweydeutig wird und auf eine 
ünfläterei gedeutet werden kann. 
Was die Ehrbarkeit liebet, wird 
sich darvor hüten. 

♦♦machen Einem erblich vermachen 
oder bescheiden; legare testa- 
mento. (alte GO.). 

♦♦MäehtnnßVermächtniß ; testamen- 
tum. (alte geschr. GO.). 



28 



""Mägd Jungfrau. Zur Magd ist der 
Name eines Gesellschaftshanses 
zu BaseL Außer dem ist das Wort 
veraltet. 
Mftlj kleine Mahlzeit, die aber zu- 
weilen weit greifet, wie dieSecbser-, 
Meister- und Doktormäly u. dergl. 
^Malzieher (frühe und späte) eine 
sonderbare Gattung süßer Aepfel 
in und um Basel , wovon die 
Schnitze, grün und dürr, voraus 
kostbar seyn, daß auch die Imp- 
fen darvon in die Fremde ver- 
schickt werden. 

Manigfalt n. der geringere Teil von 
den Kutteln, der gemeiniglich 
Hunden und Katzen zu Teile wird. 
Den Namen hat dasselbige von 
der Gestalt. — It. eine runze- 
lichte Vettel. 

Marder m. war ehdessen eine Be- 
schützung oder Zierat des Frauen- 
zimmers um den Hals im Winter. 
Dergleichen Halsbelze waren 
meistens von Marder, daher man 
sie auchallso nennte. Der Name 
blieb aber durchgehends, wenn 
man schon etwann geringeres 
oder teureres Gefülle als z. e. 
Zobel von 100 und mehr Schwei- 
zertahlem darzu gebrauchte. 

Maß und Maß. Wenn in Basler und 
andern schweizerischen Schriften 
beides bejsammen vorkommt, so 
bedeutet Mä& das Maß trockener, 
und hingegen Ma& das Maß flüs- 
siger Dinge. Das MäB nemen 
sagen bey uns die Schuster und 
Schneider von Schuhen und 
Kleidern. 

**]iiaßeii(Fügw.)dieweil, indem, cum, 
quia,siquidem. Ist veraltet undver- 
rftht einen unerfahrenen Schreiber. 

**Maachli, Büebemäuchlin (in der 
Mehrzahl) Scheiben- oder klotz- 
weise ff eschnidteneBüben zu einem 
Geköche« 

**Biaagem sich, oder fdchmudem, 
kränkelen, sich krank legen. 
Wann ein Stuck Hornvieh sich 
mangeren und erkranken wurde, 
so soll diejenige Haushaltung, zu 
deren diser Stall gehörig, sich inn- 
halten und nicht under dieLeuth 
kommen, (basel.Mand. von 1715). 



Maal, welches bey den Hochdeut- 
schen nur zu unvernünftigen 
Tieren gesagt wird, heißt zu 
Basel der Mund eines jeden Men- 
schen. In der Verachtung läßt 
man es pleiten. Halte deinMauII 
Das Weib hat ein böses Maul. 

♦♦Maulvieh, Mulafieh, Mulifih, Mule- 
fe heißt buchstäblich ein fressend 
Yieh an dem Baren oder auf der 
Waide, von mulen fressen. Li di- 
sem Verstände heißt Bileams Esel 
bey Du Fr^ne ein Mulfieh animal 
mulinum, humana voce loquens. 
It. verstehet man dardurch ein 
Reit- oder Streitpferd, welches 
ehmals ein Dienstmann auf eigene 
Kosten seinem Herrn zu einem 
Feldzuge stellen mußte. — unter 
dem Mulfih begreifen die Alten 
fernen das Barenvieh, welches 
von Jemand, der ohne Erben ver- 
stirbt, hinterlassen und dem Herrn 
des Ortes zugeeignet wird. Des- 
gleichen ein Vieh, welches hin- 
lässiglich sechs Wochen und et- 
liche Tage auf einer fremden 
Waide gehet und darum der Herr- 
schaft des Ortes verfallen ist. 
(Lauf. helv. Gesch. Teil V. Blatts. 
271 und 272).~ Endlich auch ein 
jedes bewegliches und unbeweg- 
liches Gut, welches eine gesetzte 
Zeit über von dem Eigentümer 
nicht gehandhabt noch gesucht 
wird und derowegen von der Herr- 
schaft eben so wol mag einge- 
zogen werden. (Hafners solotum. 
8chaui>l. Teü U. Blatts. 393a). 
Bey einem Lehnbriefe Bischoff 
GhristofEs von Basel 1510, da er 
die Landschaft Sißgau der Stadt 
Basel verliehen, findet sieh ein 
Verzeichniß der damit verliehenen 
Bechte, und darunter ist auch oZ? 
Mulaffeh begriffen. 

Mansohren, Mnsörli eine Gattung 
kleiner Hohlküchlein, die man 
anderswo in der Schweiz Milch- 
ürli oderEyerörli zu nennenpfleget. 

*Meekelä sehlo Meckel schlagen, ist 
ein Spiel junger Bursche, die ein 
Stäbchen oder einen Knochen eines 
Daumens dick zur Hälfte auflegen 
und auf das ledige Ende mi. 



29 



einem Stöckchen also schlagiBn, 
daß es einen zimlichen Sprung 
nemen muß, da Deijenige, dessen 
Meckel am weitesten springt» zu 
^^innen pfleget. 

Meigel, Meihel, Meyel ein Hamglas, 
urinula. Nunmehr nennet man 
allso ein hohes, von oben bis 
unten gleich weites Trinkglas, 
glatt oder knOpfig, mit Griffen 
oder ohne Griff. 

^^MeigewHnne gewonnene Meige 
oder gesammelter Harn. Ein teil 
Gilen (Bettler) nement salb, die 
machent sy us meigevmnne, und 
bestrichent sich under dem ant- 
litz, so werdent sy geschaffen, 
als werent sy in ein füre ge- 
falleu, und das heißet imderinen 
ein scheffln antlitz. (Merkw. der 
Landsch. Bas. St. YII. Blatte. 854 
aus ürk. von 1422). Zur Ver- 
st&ndniß diser Stelle hilft eine 
andere aus Martin Meyers Liede 
von einem Bitter aus Steyermark. 
Diser Bitter wird in Frankreich 
in ein hartes Ge^gniß gewor- 
fen. Seine Gemahlinn vemimmt 
es in Deutschland. Sie eilet, ihn 
zu erlösen; sie langet an; sie be- 
sticht die W&chter und wird zu 
ihm gelassen. Sogleich verwech- 
seln sie ihre Kleider, damit er 
an ihrer Stelle herauskommen 
möge, und, damit man sein Ant- 
litz nicht erkenne, spricht sie zu 
ihm: N^mm dein schüssel, em- 
pfach dem ham,deyn antlitz wasch 
gar eben. 

**Mietwahii Hoffnung zu Miet und 
Gaben. Unsere Bichter schweren, 
Becht zu sprechen weder durch 
Miet noch Mietwahn. Gleiche 
Bedensart kömmt auch in den 
Wahleiden vor. 

Mischletef.gem&ngtes Zeug, miscel- 
lanel^ farrago. It. Mischelfrucht. 

'''^iiiißgiehtig seyn abläugnen, nicht 

gestehen wollen, (alte geschrieb. 
0.). 
^'CmitnaBien insonderheit, ausdrfick- 
lich, praecipue, diserte, ezpresse« 
Kömmt bey unsem Alten vor. 
^Morant m. der oder die vor Un- 
flat wie ein Mohr oder eine 



Möhrinn aussiht. Sonst auch 

* Mohrentrost, dessen Anblick einen 
Mohren tröstet. 

morden morden, umbringen. Ich 
glaube schier, es sey besser ge- 
sagt als das hochd. morden, 
denn man sagt ja Mörder latro 
und nicht Morder. 

Most n. der Most. In Basel nennet 
man allso nicht den süßen Wein 
von der Kelter wie anderswo, 
sondern den eesodtenen Wein, 
wie auch gesodtene Aepfel, Bir- 
nen, Zwet^enu. dergL Das ist 
Most fQr ihn sagt man von Einem, 
der etwas Erwünschtes zur Hand 
kriegt. 

müde seyn sein Möglichstes bey dem 
Trünke getahn haben, betrunken 
seyn. Ist eine höfliche Bedens- 
art der Landleute. 

Müeltli Müldlein, ein zinnernes oder 
blechernes muldenf örmigesGefässe, 
worinn die Mägde das Fleisch von 
der Metzgerbank hohlen. It. eine 
Behörde unter den Kinderwiegen. 

Maeltscharre eine Scharre, womit 
die Mulde nach ausgewirktem 
Teige gar ausgescharrt und ge- 
reinigt wird. It. ein schwärer 
Weck von dem Mnldenkräz« 

Multscharrete f. der hie und dar in 
der gelärten Mulde und an den 
Händen der Backmuter noch an- 
klebende Teig, welcher zu Bröokel- 
chen und Brosamen mit der 
Scharre zusammengekratzt wird; 
Muldenkräz. It. der Weck, wel- 
cher aus disem Teigkräze für 
Kinder und Gesinde gebacken 
wird. It. ist es ein Spottname 
blasser Leute, die wie ein halb- 
Iffebackenes Muldenkräz aussehen. 

^Imeiii f. die nach den Männern 
strebt, 

^Miiemli Dämlein und Hürchen. 
*muemen dem Mannsvolk zu viel 
erlauben, schmeicheln, durch die 
Finger sehen. **Mumerey ver- 
dächtiger Umgang mit Manns- 
bildern, allzugroße Nachsicht. 
Maes n. nennet man zu Basel nur 
die Erbsen. Anderswo verstehet 
man dardurch einen Brey oder 
auch allerley Gemüse, muestn 



30 



sagt man von gaten Erbsen, 
welche sich recht markicht aus- 
kochen lassen. 

*da8 Mttnster alireiben heißt zu 
Basel eine alte Jungfer seyn, 
die am Ende des Jahrhunderts das 
Münster sur Feyrung des Jubel- 
festes könnte ausbutzen helfen. 

^M'dnze nnd Ohnmttnze heißt die 
Bild- und Wapen- oder Spruch- 
seite einer Münze. Münz oder 
Ofnünz ist ein gewisses Spiel der 
Junten, da sie mit Zahlpfenningen 
anschlagen, und Derjenige, dessen 
Pfenninge mit der l&nz- oder 
Bildseite auswerts fallen, die an- 
dern Pfenninge mit der Ohnmünze 
zum Gewinnste darvonträgt. 
Ein Vater, welchem man die 
Botschaft bringet,daß ihm einKind 
gebohren worden, fragt zuweilen: 
Ist es Münze oder Ohnmünze, d. i. 
ein Bübchen oder M&gdchen? 

•♦mups enzwei morsch entzwey, in 
kleine Stücker zerbrochen* 

Müterlein, Müeterli nennten Yoret- 
wann 30 Jahren die vornemen 
Kinder ihre Müter, wofür das 
jetzt gewöhnliche Mama aufge- 
kommen. 

Sintern die, matres die Müter; der 
Mütem, matrum der MÜter. 

Mütschli Mürbbrötchen. In Zürich 
nennen sie es Fülibrötli, . crostu- 
lum pullinum. 

Mntte m. Bock, hircns. Dises macht 
glauben, daß man in den Schrif- 
ten der mittlem Zeiten für mul- 
tones yerveces, Hammel, muttones 
lesen sollte* 

Miiüsli eine Gattung Küchlein, s. 
Mausohren. 

**nacher für nach, auf. Er gehet 
nacher Haus; ich will nacher 
Frankfurt. So lasse man die 
Handwerksbursche reden. Ver- 
ständige sagen: er gehet nach 
Hause; ich will auf Frankfurt usf. 

nacketig nackt, bloß. Wegen nacke- 
tiger Tänze an das Halseisen 
kommen. Die zu Basel noch 
besser reden wollen, sagen nackend 
oder nacket. 

*nagelt^nkelfenernen : nagelneu ist, 
was frisch yo» dem Hammer 



kömmt oder frisch beschlagen ist, 
Funkelneu oder fankelfeuernen ist 
was frisch aus der Aeß kömmt. Zu- 
sammen ist es wie ein Superlativus 
des Neuen, welchen man öfters 
von Dingen gebraucht, die nichts 
weniger als Hammer und Feuer 
leiden mögen. Man sagt z. E. 

ganz lächerlich: ein nagelneues 
leid, eine nagelfunkelneue Per- 
rüke, ein nagelneuer Magister 
u. dgl. 

**näliig sagt man von einer hoch- 
schwangem Frauen, die ausge- 
rechnet hat, partui vicina, licttoxo^. 
Zion war nähig, prope instabat 
Sionis partus sagte ein frommer 
Prediger von der Fülle der Zeit, 
da das Heil der Welt gebohren 
werden sollte. 

*Baka sagen unsere Landleute für 
nein. 

Bftmlicher ebenderselbe, der Gleiche. 
Am nämlichen Tag : an dem glei- 
chen Tag. Er ist nicht mehr 
der Nämliche, d.i. man verkennet 
ihn, er ist der vorige Mann nicht 
mehr. Es ist die Frage, ob man 
dises Wort, welches man im 
Hochdeutschen nicht eigentlich 
ersetzet, nicht bejbehalten sollte. 

Nast Ast; ramus. Einige Franken 
bedienen sich dises Wortes so- 
gar in offenen Schriften. 

Nestel nennet man die weißen Riem- 
chen, die man in den Krebsen 
findet und in der Speise ver- 
wirft. 

*nShtlich sagt man hier zuweilen 
für überamg, gar zu ränklich, 
affect^. Sonst ist es so viel als 
schwärlich, ärmlich, kärglich,küm« 
merlich. Es ist nöhtich zuge- 
gangen; ein nöhtlicher Schmal- 
junker, nöhtlich leben fraudare 
se victu suo. 

Nonnenfdrzlein eine Gattung kleiner 
Leckerbrötchen in der Größe 
eines halben Guldens von Man- 
deln, Zimmet und Zucker. 

netten Landw. dennoch, attamen. 
Es isch nottä so : es ist einmal so. 

^'''nnnniBlen nunmehr* 

^'''Bnnnialiger jetziger. 

«"^nnnmeliro nunmehr. 



31 



^^nmizmnaleii für nunmehr, der- 

mals. Ist unertrS^flich. 
nlit nichts. Landw. *iiimz. 

♦♦oberster Knecht ist za Basel der 
Rahtsdiener^ welcher vor Rahte 
die Dienste wie anderswo in der 
Schweiz der Qroßweibel versiht. 
Er hat femers die Gei^chtsbarkeit 
über alles Dienstgesinde^ über 
die Scharfrichter, Wasenmeister, 
Schinder und Juden, Ton welchen 
er das Einlaßgeld beziehet und 
zu genießen hat. 

Oberte f. nennen die Landleute den 
Ort in der Scheuer, da der Haspel 
ist und da sie die Garben hinlegen. 

♦oblterhin sagen Einige, die von 
ferne Latein gerochen, für über- 
hin oder obiter. 

♦♦Obsorge Aufsicht, hohe oder 
höchste Fürsorge, Schutz. Gewisse 
Briefkünstler prangen noch mit 
der Redensart: Gottes Obsicht 
herzlich empfohlen; womit Sie 
Gottes Gnadenobsorge erlassend. 

Ohrenmjckele n. Ohrwurm, Oehr- 
ling, auricularia. In Zürich heißt 
es ein Ohrenmytel. (Fries). 

*ölen Jemand, sagte man ehemals 
zu Basel und in der Umgegend 
für die letste Oelung geben. 

^Orband an einer Degenscheide, 
Ortband. 

Oergeli n. Kübel, situla. (Ist ein 
Landw*) 

♦Omig heißt insbesondere auch der 
Zug der Schüler, wenn sie nach 
beendigter Lehre eine Strecke aus 
der Schule geführt werden. Er isch 
US der Omig zuenemä Dienst ko. 

*Ortbrett an einem Spanbette, Sei- 
tenbrett. 

♦Oser Aßsack, Speissack, Waidsack. 

♦Fackel f« Zuchtsteck, Zepter eines 

Schulregenten. Von dem lat. 

baculus. 
Pappenbfirste Buchbinderbürste. It. 

we^en der Aehnlichkeit eine spöt- 

tiscne Benennung breitgestutzter 

Barte. 
♦Partem m. heißt der Parater oder 

Calefacter in der Knabenschule 

des mindern Basels« 



♦PastOBejer Fastinaken. 

*Peterthalbeii m. für Beiderthalben 
oder Bederthalben d. i. ein Sack 
zu beiden Seiten, Schnappsack, 
Doppelsack, Habersack. 

♦Pfeil neut. der Pfeil. 

Pflaten eine Gattung Teigklöße, 
die nur halbgepriigelt genossen 
werden. 

♦Pfnnd in der Münzrechnung be- 
trägt 20 Schillinge oder 12 gute 
Bateen. 

♦Pfandvierer ist die Gebür des 
Stadtkäuflers bey den Ganten, 
nämlich ein Vierer von jedem 
Pfund, den sowol der Käufer als 
der Verkäufer bezahlet. 

«Pfasbäckli, Pausbäcklein, Hohl- 
räpplein, deren zween einen Rap- 
pen ausmachen, und die man 
nur für Zoll oder Almosen aus- 
gibt. 

♦Pießlin n. eine französische Silber- 
münze von ^ Batzen oder 10 
Sols. 

♦Plempe f. Halsgehänge des Frauen- 
zimmers. 

♦Plömli n. Plänlein, kleiner Plan; 
ist der Platz zu Basel, da der 
Roßmarkt gehalten wird. 

♦Plömlibrann ein köstlicher Brunn 
daselbst, den schwärlich einer in 
Europa übertrifft. 

Plunder n. allerlej weiß Gerähte. 
Den Hochdeutschen scheint es 
lächerlich, welche durch den Plun- 
der, wie sie reden, nur schnödes 
und verworfenes Zeug verstehen. 

Plnnderseil Wa«chseil, ein roßhä- 
renes oder mit Roßharen unter- 
flochtenes Seil, die Wasche dar- 
an aufzuhängen, ohne daß sie 
darvon fleckicht werde. 

♦Pocher heißt ein Spielbrett, wel- 
ches in Furchen eingeteilt und 
nach den Figuren der Spielkarten 
bezeichnet ist. Diese Furchen und 
Zeichen werden mit Gelde oder 
mit Zahlpfenningen so Jange be- 
le^, bis Jemand eine Karte, die 
mit einem Furchenzeichen ein- 
trifft, aussf^iele und das darauf 
besetzte Spielgeld beziehe. 

♦*rorÄ f. Anteil, bestimmtes oder be- 
schiedenes Teil; portio, pars* 



32 



♦♦Pracht m. lieber die Pracht, or- 
natus, pompa. — Pracht bedeu- 
tete hier ehemals auch ein großes 
Geräusche, wildes Geschrey, Groß- 
sprecherey u. dgl. 

♦♦Practicant Aemtermäckler, Aem- 
terkramer; der durch Miete und 
Gaben, Heurat, Maineid und an- 
dere verruchte Mittel ein Amt 
erwirbt, oder der in solchen Hän- 
deln um das Geld kuppelt und 
mittelt. 

prägcln in Butter rösten oder bra- 
ten. Eine Pappe prägein. Die 
Nascherinn wird wol bald aus- 
geprägelt haben. Was sie des 
Nachts verdient, verprägelt sie 
am Tage. 

Kaach für Bache (mit einem kur- 
zen a). 

Kacken m. für Gaumen, palatum. 
Zu Basel sagt man es auch von 
Menschen zu großem Aergemiß 
der Hochdeutschen. Gleichwol ist 
dis Wort gar schön angebracht, 
wenn von einem Geizhalse, Räu- 
ber oder Wüterich die Rede ist. 

Radbären m. Schubkam. 

Räf, Tragräf aerumna. Die Hoch- 
deutschen sagen Rückkorb. Es 
ist aber doch etwas Anders, in- 
dem es wie das Gerippe eines 
Korbes aussiht. 

"^♦ralitsamen verpflegen, rein und 
wol halten, besorgen, verwalten. 
Ein Eind oder einen Kranken 
rahtsamen. Seine Güter nicht 
rahtsamen, sondern wild liegen 
lassen* 

"^♦ßahtserkantnnß Rahtserkänntniß, 
Rahtsschluß, senatus consultum. 

♦♦Kahtsnbstitut wird oft von Bür- 
gern und Bauern jämmerlich ge- 
radbrecht. Leichter und deutli- 
cher sage man Unterrahtschreiber. 

raiten den Hanf von der Hand 
brechen und schälen. 

♦Bänier Rußfeger, Schlotfeger. Von 
Ram Ruß. Schwarz wie ein 
Rämer, und nicht Römer, wie 
man aus Mißverstande sonst zu 
sagen pflegt. 

rämselen müffzen, böckselen. Tn 
der oberen Schweiz nennet man 



den Gestank der Uechsen oder 
Achseln einen rimslenden Ge- 
schmack« 

Ranze m. ist eigentlich das Fell- 
eisen eines Reisenden. Zu Basel 
nennet man also auch im Ge- 
spötte den vollen Magen: Er hat 
den Ranzen gefüllt, er hat sich 
voll gepf rocket, lt. einen Buckel. 
Der Ding, der die Dingenä mit 
dem Ranzä het, d. i. der ein buck- 
lichtes Weib hat. 

♦Räppis m. Spanwein, ein ange- 
machter Beerwein oder sonst köst- 
licher Wein, welchen man mit 
einem Znsatze von Zitronen, Ge- 
würze und Eichspänen verjähren 
und eine 2ieit lang ligen läßt. 

Rärr f. Schreyerinn, Kreyscherinn ; 
ein Weibsbild, das eine harte und 
männliche Stimme hat. Mnhl- 
kanserrärren nennet man zu Ba- 
sel die Mühlha userinnen wegen 
ihrer grobem Aussprache. — 
raren sagt man auch von Denen, 
welche den Buchstaben r nicht un- 
geschnarret aussprechen können. 

ranen Anken nennen die Weiber 
zu Basel die abgesodtene Butter. 
Wenn ein Kind verstopft ist, 
schoppet man ihm ä Knölleli 
rauen Ankä in die Nase u. s. w. 

♦Redhans eine treffliche Brust, wor- 
aus eine helle, volle und starke 
Stimme erschallet. My Bueb het 
gar ä guet Redhus und Gedächt- 
nuß; er muß ämol ä Geistlichä 
werdä. 

♦♦Reformation Sittenverbesserung, 
Zuchtordnung. Einem vor die Re- 
formation bieten d. i. vor die 
Zuchtherren oder vor das Straf- 
amt. Zuchtgerichte und Zucht- 
richter werden die Reformation 
und die Reformationsherren in 
der alten straßburgischen Stadt- 
ordnung genennt, und so könnten 
wir deuteche Basler dieselben 
auch nennen. 

Reiberlein Rigelchen an einem Fen- 
ster. It^ eine Gattung eherner 
oder eiserner Weinhähnchen, wo- 
raus man den Wein vermittelst 
eines gerade ausgezogenen Zäpf- 
chens lassen kan. 



33 



reif nennet man einen Teig, der 
eben recht gehaben oder ge- 
, gangen ist. 

*rei8eii {Wirkwort) abrichten, an- 
weisen, instruere quem. It. zu 
Gange bringen. Willt du nicht, 
junger Herr?/ Ich will dich schon 
reisen. 

Reisten m. gehechelter Hanf in 
Docken. — reisten Tuch hänfen 
Tuch. 

Reite, Ryte f. Schaukel, Reitseil 
oder Hangseil, worauf sich die 
Kinder eine Bewegung geben. 

reiten (Landw.) für fahren, auf 
Wagen oder in Kutschen. 

Republik respublica ist bei ansein 
noch ziemlich neues Bastartwort, 
welches man auch gar wol ent- 
bären kan, weil Freystand oder 
Freystat, wofor man dasselbige 
mißbrauchet, die Sache weit bes- 
ser ausdrücket. Denn durch rem 
pubb'cam haben die Römer meh- 
ren teils das gemeine Beste ihres 
Reiches oder die Verfassung und 
Verwaltung eines jeden freyen 
und unfreyen Staates verstanaen. 
Daher von ihnen nicht nur ihrer 
summae reipublicae, sondern auch 
municipalium rerum publicarum 
Meldung geschiht. 

Republikaner Freybürger , Frey - 
Städter, Freysaß, freyer Reichs- 
bürger oder Freyständer, weil 
man auch Bey Ständer, Vorstän- 
der und ümständer sagen kan. 
Einmal ist das Deutsche vorzüg- 
licher, weil man durch Republi- 
kaner oft sehr unbändige, auf- 
rührische und wilde Freystädter 
oder Freybauem zu verstehen 
pflegt. 

'''Renen m. für die Reue. Der Reuen 
wird dich noch ankommen. 

♦♦Revisoren Läuterungsherren in 
bürgerlichen Rechtszügen. Der 
lateinische Name ist gar zu un- 
bestimmt und wird ohne Noht 
gebraucht. Auch Bevisians - 
herren. 

Riester m. Bletz über das Oberleder 
eines Schuhes, riestern Schuhe 
bletzen. 



*Rige, Rigi f. Reihe, Anreihung, 
series. ♦Rigiröcke und ♦Rigifdr- 
tiicher nennte man ehdessen die 
Weiberröcke und Schürzen, wor- 
an eine Reihe unzähliger eng zu- 
sammenstoßener Falten war. 

Rinke m. Hafte, Schnalle; fibula, 
spinter. An den Rinken spannen 
d. i. einem üebeltähter, der et- 
liche Brügel ausstehen soll, beide 
Hände an Ringe spannen. Eine 
Sac^he bey dem Rinken nemen, 
ein Geschaffte bey dem rechten 
Ende packen, rem fortiter etdex- 
tere aggredi. 

♦risen fallen, abfallen, ausfallen, 
wie das Laub von den Bäumen 
und die Weinblühte von schäd- 
lichem Regen oder wie das Har 
von einem kranken oder grauen 
Haubte. 

Rist n. der Hals, Lauf, Reihen oder 
Sprang des Fußes, d ie Fußspange ; 
plica s. Collum pedis« 

Ritzeli, fnl Ritzeli unehrbarer üeber- 
name eines arfifen Mägdchens, 
der doch bei gewissen Weibern ein 
Lob oder gar eine Scbmeicheley 
bedeuten soll. 

^Rotelay (rahte allein) sa^ man, 
wenn man ein Rähtselau&ulösen 
gibt. Rotelay machen, einen 
lange rahten machen. 

♦Rück oder Beiß machen aciebus 
ludere: ist ein Spiel unter ge- 
meinen Leuten, wenn Zween et- 
was zu teilen haben, da ein 
Dritter sein Messer zwischen bei- 
den Stücken hält und fragt : Ruck 
oder Byß? worauf Derjenige, 
welcher Beiß sagt, das gegen der 
Schneide ligende Stück dariron- 
trägt. 

"^Riiebeniänchli ein Essen von grob 
zerschnidtenen Rüben , die mit 
heißer Butter und geschweißter 
Zwibel zubereitet werden. 

*in die Ruhten ziehen geschiht von 
den Schulkindern unserer Stadt, 
wenn sie j&hrlich an einem schö- 
nen Fühlings- oder Sommertage' 
singend und in geparter Ordnung 
unter dem Geleite und Vorgesange 
ihres LehrmeiRters sich vor die 



34 



Stadt hinaus auf eine Lustbarkeit 
begeben und, nachdem sie den 
Schulstaub bei dem Tanze und an- 
deren Spielen ausgelüftet, in glei- 
cher Ordnung wieder in die Stadt 
ziehen. Vielleicht ^ömmt die Be- 
nennung dieses Ruhtenzuges oder 
Ruhtenfestes daher, daß man 
ehmals an einem bestimmten Tage 
den jährlichen Vorraht von Zucht- 
ruhten zu schneiden und das junge 
Frauenzimmer zu dieser Ruhten- 
ämde zu erbitten pflegte. Ob das 
gleiche mit den Schülern auch ge- 
schehen, ist ungewiß. Wenigstens 
hat man keine Spur darvon. 

♦Riipfep falsche Wehen einer Ge- 
behrerinn. It. die Schreibgichter 
eines Dichterlings oder sonst 
eines ohnmächtigen Verfassers. 

Rnpis und Dvpis wegnemen heißt 
Alles, was man vorfindet, Stück 
und Bruch rein aufraffen und sich 
darmit fortpacken« Es scheint 
eine von den Faßbindern herge- 
nommene Gleichnißrede zu seyn, 
als welche an den Orten, da sie 
gearbeitet und etwann alte Fässer 
zusammenschlagen, bei dem Ab- 
schiede gemeiniglich Beife und 
Dauben oder Dangen mitzunemen 
pflegen. 

Ranm m. Milchram, cremor lactis. 
Er isch der Rum von sinä 
Gschwistertä d. i. der Wackerste, 
der Auserwählte. 

Rnmmilch ßaummilch^ crSme foüetee. 

**Sanität8rähte Gesundheitsrähte. 
Die Herren von der Sanität 
ist lächerlich gesagt. 

^'''Saiimsal f. für Saumseligkeit. Ist 
zwar veraltet, aber noch erträg- 
lich in einer Eanzley, da man 
oft schlimmeres Zeug ertragen 
muß. 

^Sanseheibe nennen grobe Leute 
den Gesindtisch, wo etwann auch 
die Kinder sitzen. 

scbader : Es ist schader um dis 
als um jenes, es ist vielmehrSchade 
um dis als um jenes. 

Schal oder Schol f. Fleischbank, 
macellum. 



Schaninaiieh Hintersaß. Den ver- 
ächtlichen Namen gaben unsere 
Alten den Hintersaßen, weil sol- 
che in abgelesenen ärmlichen 
Häuschen, die eine ünzierde und 
Schande der Stadt waren, sich 
aufhielten, wie etwann die Malz- 
gösse und Lottergasse an den äu- 
ßersten Enden unserer Stadt oder 
auch diesogeaeamierättdigeSeite 
an dem E^ine und die Höllen 
oder tiefen Häuschen an den 
Reinhalden mögen gewesen seyn ; 
indem ganz vermuhtlich ehmals 
der meiste Strich unserer Stadt 
längst dem Reine von lauter 
SchammaticTien angebaut wor- 
den. Denn eben daher haben 
auch unstreitig die an einzelnen 
Orten in Deu^chland unter dem 
Namen der Brinksitzer be- 
kannten Hintersaßen den Namen 
erhalten, weil Rain, Brink, Halde 
und Hügel beynahe einerley be- 
deuten. Das aus der üebung 
gekommene Wort Manch erkennet 
man noch in maucheln, mucheln, 
munkeln, in obscuro agere ; Muche 
Schleicherinn, Mäuchelmörder u. 
dergl. 

'i'Schaafadeii der äußere Rand einer 
Waare, welchen man sonderlich 
wol auszieret und zur Schau dar- 
leget. An einem feilen Acker 
z. B. nennen die Landleute Schau- 
fäden dessen Rande und Ende 
gegen dem Wege, welche sie in- 
sonderheit reichlich düngen, da- 
mit die Frucht darauf ja fein, 
dicht und sattgrün erscheme und 
einen Käufer anreize. 

^'^Schelm nennten unsere Alten eine 
Landseuche, sonderlich unter dem 
Vieh. It. ein Todtenaß. 

scherb oder seherf Brot heißt ein 
Brot, welches an dem Anschnidte 
trocken und spröde worden. 

Schiffläiide für Hafen, Kay, Reede; 
portus,. statio navium, wird nur 
von dem Haven eines Flusses ge- 
sagt. Andere Schweizer heißen 
es den Staden, 

Schifllein ein kupfernes, schiffähn- 
liches Rohr, welches über der 
Mündung eines Ofens in die Länge 



35 



desselbigen hineingehet , und 
worinnen, so ofb man heizet, war- 
mes Wasser gehalten wird. 

schinden heißt bey unsem Alten 
mehrenteils so viel als urgere, 
vexare, affligere, treiben, plagen, 
drücken und drängen. Land- 
schinder ist allso ein Landplager, 
der dem armen Volke das Mark 
aus den Beinen preßt. In glei- 
chem Verstände ist das böse Volk, 
welches im XV. Jahrhundert 'unter 
Anführung desDelfins in das Elsaß 
und in unser Vaterland einge- 
fallen, wegen seiner verübten 
T^ranney allso genannt worden. 

Schmbnet , Schinntanet Schaub- 
oder Schattenhut; causia. Von 
Schinne Schale, Rinde, Riem- 
chen von zartem und dünnem zer- 
schnidtenem Holze, woraus viele 
Schirmhüte verfertigt werden. 
Allso ist es ein Mißverstand, wenn 
man anstatt der Schinnhüte in 
der Meinung, hochdeutsch zu 
sprechen, Sdieinhüte nennet. 

*Sc]ilabntz starker Trunk, den man 
bey großem Durste einschlinget. 

*schiabntzen trahere pocula aren- 
ti fauce. (Mahlers Lex.) Hier 
aber bedeiitet schlabutzen so viel 
als sich etwas wol schmecken 
lassen, es mag dann gegessen oder 
getrunken seyn* 

Schlägel m. Bouteille. 

Scbllpf Bergrufe, die sich senket. 
It. der Ort, wo sich ein Berg 
oder Hü^l allso geschält hat. 

Schlötterlem Klapper, Rattel. Einem 
ein Schlötterlein nachschlagen 
oder anhängen d. i. mit dem Ge- 
höhne und Geläster, wie mit 
einer Narrenklapper, hinter Ei- 
nem her seyn, Einem einen Spott- 
namen anlangen. 

schmirzen schmerzen, weh tuhn. Die 
Wunde schmirzet. 

'^'schmollen lächeln, seine heimliche 
Freude und Hoffnung in seiner 
Gebärdung merken lassen. 

*8Chmöllelen lächeln vor Vergnü- 

§m. Er schmöllelet schon in der 
Öffnung. 
Schmutz Kuß. Schmützli Eüßchen. 
Die Franken sagen Schmatz, 



Schmätzchen, — Schmutz an 
ein Gemüse, die Butter oder an- 
der Fett, dasselbige zu schmelzen 
und zu kochen. 

scbnäfeln schnetzeln, schneidein, 
minutatim secare. Zu Bern heißt 
ein Schnäfler in edlerm Ver- 
stände ein Künstler, der allerley 
schreinert und zimmert und doch 
kein entschiedener Schreiner oder 
Zimmermann ist. 

Schnake, Sehnook heißt in der 
Beckersprache ein Semmelbröt- 
chen, an dessen Teige der Ein- 
schnidt nicht gerahten, daß es 
in dem Ofen nicht wol auf kröpfet. 

'"Schneebällen eine Gattung runder, 
krauser und dünner Küchlein von 
Eyem, Semmelmähl, frischer 
Butter und sehr wenigem Zucker. 
Die Tugend der Schneeballen ist, 
daß man sie schön weiß, feder- 
leicht und trucken zu bereiten 
wisse und keiner Nadelspitze 
groß Fett darauf erscheinen 
lasse. 

Schnitt Aemdte. 

*Sehnürlade,worauf man die Schnüre 
klöppelt, und worinnen man aller- 
ley darzu gehöriges Zeug verwah- 
ren kan. 

**Sch91m, Schelm nennen unsere 
Alten ein Schindaß. Mißbräuch- 
lich nennten sie allso auch ein 
gesundes ausgehäutetes oder ge- 
schältes Stück Vieh. 

i'Schölmenbank heißt auf dem 
Fischmarkte zu Basel die Bank, 
da man die todten Fische ver- 
kauft. 

*Scb8ne f. Rohtsucht, Röhteln, 
Röhte, Ueberröhte; boa, bova, 
Papulae. 

Scnooß fem. derSchooß; gremium, 
sinus. 

Sehöpfbrett Schneid- und Werkbrett 
der Schuster. 

sebörlen sagt man inderHeuämde, 
wenn man das gewarbte und ge- 
wandte Gras mit dem Rechen in 
Reihen ziehet und ordnet, daß es 
sodann geschöchelt werde. 

Schorreisen ein Eisen, welches vor 
einigen Häusern in der Mauer 
oder an einer Treppe befestigt 



36 



ist, daß sich die Hereingebenden 
bey kohtichtem Wetter daran rei- 
nigen. Gleichen Dienst taht eh- 
mals das Schorrbrett, d. i. ein 
Brett, welches falten- oder fur- 
chenweise geschnidten war und 
vor die Stubentühre pflegte gelegt 
zu werden. 

Schöße, SchöKße die zwey ausge- 
spitzten hintern Ende an dem 
Leibchen eines Frauenzimmers 
von Basel. 

schrenzen auf- oder entzweyreißen ; 
Andere, scindere, wie man an 
einigen Orten auf der Tuch- oder 
Leinwandschau mit Pfuscherwaare 
tuht. Unsere Alten sagten auch 
schrenden, 

'"Schüchdenhobel m. der die Arbeit 
scheut, und dem ein Hobelstoß 
den Schweiß austrieb. 

""SchiLchdenpflaeg Unfreund, Leut- 
scheuer. 

'''Schiihliägel dünne, in Semmelmähl 
gewandte und in Butter gebackene 
Schnitze von großen Winterbir- 
nen. Dergleichen futerhafbe Schuh- 
nägel werden gewissen Liebhabern 
als ein winterlicher Nachtisch auf- 
gestellt. 

"^Schiübägi die eine Winkelschule fiir 
kleine Kinder oder für junge Näh- 
terinnen hält. 

Sehaßgabel eine zweyzinkichte ei- 
serne Gabel, womit das Heu von 
dem Wagen auf die Heubüne ge- 
schossen oder gereicht wird. 

schwänzeln hieß man ebdessen den 
altfränkishen Gang vornemer 
Töchter und Weiber, denen man 
was sie sich einbildeten hinten 
ansehen mußte, wenn sie ihre 
Scheiben, wie die Schwingsenkel 
an den Uhren, bei jedem Schritte 
hin und wider gehen ließen. 
Einen solchen Gang hieß man 
auch den Becher schwencken, 

Schweize f. Zwibeln in Butter ge- 
schweißt und geröstet, womit man 
allerley Gemüse zuzurichten pfle- 
get. Eine lange Schweize nennt 
man auch eine lange überflüssige 
Auslegung oder ein läres Ge- 
schwätze, womit man eine Sache 
begleitet. 



'('Seidenmäeslein ein Brey von Milch- 
ram, Eyerdotter und Zucker. 

Seifenlab n. heißt das Wasser bey 
den feinen Waschen, worinnen 
geschabte Seife zerlassen worden. 

'*'*8eiiferlich säuberlich. Mit weer 
und harnest ztw dem seufer- 
ZicAt«fenu8bereitet.(alt*Sturmord.) 

SimmelmählSemmelmäbl. dmmeln 
eine Frucht d. i. fein und weiß 
mahlen. 

Sinn f. die Aiche oder das obrig- 
keitliche Maß, womach die Maße 
flüssiger Din^e geaicht werden. 
It* der Ort, da der geschwotene 
Sinner oder Aichmeister die 
Fässer und andere Maße flüssiger 
Dinge zu sinnen und zu aichen 
pfleget, gesinntes Faß geaichtes 

'*'*Sittknst m. Papagey, psittacus 
(Wursteis.) 

**8on8ten sonst. 

Spale f. hieß ehmals die Schulter 
eines Tiers, ital. spala. It. we- 
gen der Aehnlichkeit eine breite 
Leitersprosse! , wie auch ein Quer- 
holz, dergleichen man in Steigen 
und bösen Straßen zur Bequem- 
lichkeit der B>eisenden zu legen 
pfleget. It. ein allso belegter 
Ort selbst« Daher auch unser 
Spalenquartier samt dem darzu 
gehörigen Berge und Tohre den 
Namen erhalten. Demnacn si 
es eine Erfindung unverständiger 
Neulinge, welche Paulquartier, 
Paulberg und Paultohr darfür 
schreiben. Denn wie wollen sie 
die Spale d. i. das Quartier 
selbst, nach dem Apostel Paul 
nennen? Zum Beweise dis»er Er- 
klärung dienet ein gewisser Alp- 
hof auf unserer Landschaft, wel- 
cher eben die Spale genennt 
wird, weil man ebdessen die Zu- 
gänge dahin mit Querhölzern 
oder Späten belegen mußte. — 
Spalemer Spalenbürger, Einwoh- 
ner der Spale. 

Spalentier ein Gespenst, welches 
nach einem alten Yettelwahne 
an dem Spalenberge und in der 
Umgegend in der Gestalt eines 
Kalbes herumgehen soll. Yiel* 



ä7 



leicht ist dises M&hrlein daher 
entstanden, weil man ehmals 
dem Spalenberge, da er noch ein 
dicker Wald gewesen, wie an- 
dern wilden Bergen einen eigenen 
Berffteufel angectichtet hatte. 

spänglen Kessel, Pfannen u. dergL 
flicken, wie gemeiniglich von 
Landstreichern geschiht. — Späng- 
ler Spangenmacher, Blechner. 
Spängier in den Augen, Schlaf- 
begihrde, da die Augen einem 
zufallen, als ob sie von einem 
Spängler geschlossenVürden. Der 
Spängier kommt ihm in die 
Augen oder: er hat den Spängier 
in den Augen d. i. er ist so 
schlaftrunken, daß er die Augen 
nicht mehr offen halten kan. 
Wird nur von Weibern zu Kin- 
dern gesagt. 

*SpStzle Stichelwort, scomma. 

'^'spätzliger Brief Spötterbrief, acu- 
leatae literae. ""Spätzlen sticheln, 
fatzen. 

♦Spätziep Fatzvogel, Spötter. Un- 
sere Amtleute haben in ihrem 
Eide, sich alles Spätzelns zu 
enthalten. 

Spinnwetter Zimmerleute oder 
Schreiner, die allerley Spanwerk 
zusammenwetten oder fugen. Ist 
zu Basel der Name eines Zunft- 
hauses der Zimmerleute, Schreiner 
und Steinmetzen. 

*Spmnwidder Saugböcklein. In 
einer obrigkeitlichen Verordnung 
von 1628 wird geboten, bej den 
Hochzeiten fQren dritten Eingang 
aufzustellen zween Kalbs- und 
einen Spinnwider oder Lambs- 
braten. 

Spittelmnck einer der geringem 
Spitalgäste. 

Sporen nu Sporn, calcar. Die Spo- 
ren die Sporne, oder, wie Einige 
nach den Sprachre^eln schreiben, 
die Spömer calcana, wie z. e. 
Dömer spinae. 

*Sporer Spömer, Spornmacher. 

Sprener (Mehrzahl) fElr Spreu in 
der einzeln Zalil. *Spreuer 
zetteln geschiht von bösen Leuten 
zu Nacht vor dem Hochzeitsfeste 
einer Braut, die eigentlich mit 



dem Strohkranze prangen sollte, 
da sie der Spreu nächstens zu 
einem Wiegenfeste benötigt seyn 
würde. Anderswo schätzet man 
dergleichen Frevler den ehrlosen 
Pasquillanten gleich. 

**S^rang ein etwas ^her Högel, 
wie z. E. unser Beinsprang und 
Spitalsprung. 

Stefzen m. das Stift oder spitzige 
Beschläge an einem Stocke oder 
der Senkel an einem Nestel. 

♦steifer Bnbe, styfer Bue (Landw.) 
für Hochzeiter, Freiher. 

^stelzen sich an einen Acker sagt 
man von einem anstoüenden 
Acker, der unten schmäler oder 
gar spitz ausläuft. 

**Stepbet m. Seuche, Landseuche, 
flechtende oder ansteckende 
Seuche. 

*Stiel oder Schlägel an einem 
Kleide oder Mantel heißt die 
Streife oder das Belege von Koht, 
der sich bei garstigem Wege an- 
setzet. 

Stollen eine Stolle oder Docke an 
Stiegen, Gängen u. dgl. oder ein 
KugelfuB an einem Kasten, lt. 
der große Knochen oder Griff 
an einem Kalbs- oder Hammels- 
braten. Spruch wörtlich sagt man : 
Jemand an Stollen schmecken 
lassen d. i., anstatt ihm den Bra- 
ten zu kosten zu geben, ihn an 
den abgenagten Knochen riechen 
lassen und nach gewiß genom- 
mener Hoffnung mit Nichts ab- 
speisen. 

Stoß m. Schlupfer, manchon* 

Stößlein Schlüpferchen. 

stoßen eine verstohlene Naht 
machen, wie antüchenen Kleidern. 

Sträl m. Kamm, pecten. 

strälen kämmen, pectere. strälen 
ist viel reinlicher gesagt als käm- 
men, welches von Kam Hand her- 
kömmt und den Gebrauch der 
Alten noch anzeiget, die ihre 
Hare mit den Händen geschlichtet ; 
da hingegen das Wort Sträl ein 
Werkzeug mit Zähnen, Strahlen 
oder radiis bedeutet, womit die 
Hare etwas säuberlicher gerichtet 
werden. — Wenn Jemand durch 



3d 



Strafe oder ander Unglück der- 
maßen herunterkömmt, daß es 
mit ihm getahn ist, so sagt man 
im Gespötte: es sey ihm gebür- 
stet und gestrählt. 

stranehen, einen Acker strauchen 
heißt, solchen nach der Aemde 
zur Nachsat wieder umbrechen 
oder sonst die rechte Art tuhn« 

Strüübli Schräubchen. It. eine Gat- 
tung Küchlein zu Basels wozu 
der Teig durch einen besondem 
Trichter in die heiße Butter ge- 
lassen wird, daß sie das Ansehen 
kleiner verwickelter Schafgedärme 
haben. 

Stabenhrett) Stnbenbritt ein Brett 
mit ausgehöhlten Furchen, der- 
gleichen man ehmals vor die 
Schwellen der Zimmer legte, da- 
mit sich, wer von der Straße kam, 
daran abkarsten möchte. 

z^Stnbete go heißt in der Sprache 
unseres Frauenzimmers einen Be- 
such abstatten; in der Stube einer 
Frau oder Jungfer Base nebst 
andern Freundinnen einen halben 
Tag mit Plaudern, Spielen und 
Naschen zubringen. 

stücken einen Baum d. i. solchen 
beschneiden, auslichten und von 
dem dürren, geilen und wilden 
Holze reinigen. 

Stncklein ein Faß, größer als ein 
Führung oder ein Faß von fünf 
Säumen und zuweilen so groß, 
als es immer die Höhe und Breite 
des Kellers erlaubet. Anderswo 
heißt es ein Lagerfaß, DenBas- 
lemamen hat es daher, weil es 
ein Tührlein zum Ausbutzen hat 
undallso gleichsam gestückelt ist. 

**8tülilen einen flüchtigen Mörder 
oder andern Uebeltähter heißt 
das Blutgerichte über ihn halten 
und ihn durch öffentlichen Buf 
vorfordern^ Solches geschiht drey- 
mal von acht zu acht Ta^, und, 
wenn er das dritte Mal nicht er- 
scheint, wird er in die Aberacht 
erkannt und vogelfrey erklärt. 

Störete f. Steuer, dergleichen das 
Ghristkindchon den kleinen Kin- 
dern zu bringen pflegt. Es isch 
kei Stürete so guet, es isch au ä 



Rüetli derby d. i. man erwirbt 
und besitzet nichts Schönes noch 
Gutes ohne Verdruß. 

Stnrz m. weiß Blech. 

*Stttrz m. calyptra, eine hochge- 
steifte und kostbare Hülle von 
zarter Leinwat, worein sich noch 
vor etwann 40 Jahren da.s 
Frauenzimmer in Basel und Straß- 
burg bis an die Augen und Na- 
sen zu verstecken pflegte. Das 
ledige Frauenzimmer trug dise 
gotische ünzierde bis auf die 
Halskrause; die Weiber aber 
hatten einen langen Riemen von 
gleicher Leinwat hinten herunter- 
hangen, und, so oft sie reden 
wollten, welches natürlicherweise 
sehr oft geschah, mußten sie das 
steife Zeug wie ein Wehrbrett von 
dem Munde hinwegziehen. Doch 
war solcher zu allem Glücke dar- 
unter nicht länger eingezwungen, 
als die Trauerzeit und der Kirch- 
gang währte. 

**öubstitat Untergeordneter. Sub- 
stitut in dem Spital, ünterspi- 
talschreiber. RahtssubstitutUnter- 
rahtschreiber. 

TabackroUe ist ein leckerhaftes Ge- 
bäcke vonSemmelmähl, Mandeln, 
Zimmet und Zucker, welches mit 
Butter durch einander gewirket, 
in Form kleiner Tabackrollen ge- 
drechselt und in dem Ofen geba- 
cken wird. 

Tafelscbneider ist hey der Wittwe 
eines Schneiders derjenige Schnei- 
derknecht, der die Stelle des 
Meisters vertritt und nur zu- 
schneidet. 

*talig (Zuwörtchen) wird in Ver- 
gleichungen gebraucht ; z. e. Ich 
bin talig so gut als du ; ich bin 
talig so viel als du, d. i. ich bin so 
gut und kan so viel als du immer. 

♦♦Taprasbftchse heißt bey unsom 
Alten und andern schweizerischen 
Schriftstellern ein Mauerbrecher 
oder eine Kartaun, womit man 
eine Sturmlücke schießt. 

sein Maul zur Täsehe machen: 
seine Worte wie ein LQgner zu- 
rücknemen müssen. 



3d 



"^tatig zabm, der es näher gibt und 
sich zum Gehorsam bequemet* 
leb will den wilden Burscb so 
tätig macben, daß man ibn um 
einen Finger wickeln soll, tätig 
werden zum Kreuze kriecben. 

Tätli n. kleines Facb ; valvula. Eine 
Täscbe mit vielen Tätlinen, J 
bau alle mine Tätli usglärt. 
AUewyl ebbis im Nehätätli 
bhalten d. i. immerfort mit einem 
Nobtpfenninge yerseben seyn. 

Tatz halten müssen genObtigt seyn 
zu tuhn was man will; nicht 
ausweichen können, aus Nobt 
gut tuhn. Ist eine Gleicbnißrede, 
hergenommen von Tieren, wel- 
che ihren Herren die Tatze rei- 
chen müssen. 

Teigaff ein unreifes ungebackenes 
Bürschchen oder Mägdchen, wel- 
ches sich doch eine Bedeutung 
geben will und mit disem Namen 
gedemühtigt wird* Eigentlich 
nennen wir Teigaffenein übelge- 
rabtenes, talkichtes und blasses 
Gebäcke. 

**Tenje Anton. Daher hat der 
Tenjerhof in dem mindern Basel 
den Namen, weil nämlich eh- 
mals daselbst eine Kapelle des 
heiligen Antonius gestanden. 
Heutzutage sagt der Pöbel daftlr 
Tony, 

tenk nennet man zu Basel ein tal- 
kichtes, übel^ebabenes Brot. Ale- 
mannisch hieß tenk sonst link, 
laevus, sinister; und es scheint, 
daß vorzeiten dises Wort über- 
haubt etwas ungeschicktes bedeu- 
tet habe. 

'^Tisehoiacher Tischler, Schreiner. 

Töpli soviel als Täplein heiß endie ge- 
schlossenen Yorderfinger. ein Töpli 
voll, was man zwischen die Yor- 
derfinger fassen kan. Töpli heißt 
sonst m der Schule ein Streich, 
den ein loser Jimge mit dem 
Zuchtstocke auf die zugespitzten 
und geschlossenen Yorderfinger 
empfängt, dergleichen Töpli je 
nach dem Yerbreohen vervielfäl- 
tigt werden. 

torken einen Teig oder ein Gebäcke 
ungeschickt bereiten. Brot, Kuchen 



und dergleichen, welches eineü 
Torkerinn nicht gerahten, 
nennet man einen Torkis. 

"'Torse ein Halbdohr, ein tummes 
Geschöpfe ; stolidus, stupidus. 

Tragbären m. Tragbare, feretrum. 

**tragendes Amt ist tumm gesagt 
für ein Amt, das man trägt. 
Yermöge meines tragenden Amtes 
ist mehr nicht gesagt als vermöge 
meines Amtes. 

♦Trank n. der Trank; potus,pocu- 
]um. 

Trfister (Mehrz.) Traber, Hülsen u. 
dergl., was nach dem Keltern üb- 
rig bleibet. Trästerwein Lauer, 
vinum acinaceum. 

^Tränbelhnnd ein Hund, der des 
Herbstes hütet und um nichts eine 
Gegend vollheulet. Hülen wie 
ein Trübelhund. Andere Deut- 
schen sagen heulen wie ein Schloß- 
bund. 

Trefzen m. die Trespe, lolium. 

*trensen ängstlich und mühsam 
aussprechen, die Worte kaum von 
der Brust bringen, wie ein eng- 
brüstiger und stimmloser Redner. 

*tren nennet man zu Basel ein 
Kind oder Gesinde, das nur nicht 
stihlt* So brauchet man auch 
das Wort fromm. — *^rewsagt 
man zuweilen auch für mild, 
freygebig. 

""trinken, Taback trinken Taback 
rauchen. 

*mit trockener Stimme absin/^en 
d. i. ohne Begleitung eines Blas- 
oder Saitenspiels. 

Trog heißt bey uns nicht nur ein 
Fischtrog, Backtrog, Wassertrog, 
Schweintrog und dergl., sondern 
auch eine viereckichte beschlüs- 
sige Kiste. Die Landleute sagen 
dwrfür Trucke* Das Minderwort 
ist Tröglein, Trückli, arcula. 

Trotte f. Kelter, torcular. Trotter 
Kelterer, Keltermeister, torcula- 
rius. Trottsib oder Weinbären^ 
worein man den Wein von der 
Kelter ablaufen läßt, Keltersib, 
Weinsib. 

trübe Mählsnppe nennen unsere 
Bauern eine Mählsuppe, wozu sie 
Milch anstatt des Wassers nemen. 



40 



Trnesen Hefen, faeces. Traesensack 
Seigkorb, Hefen- oder Weinseige, 
qualus. Trttssenwein Sackwein. 

•Trümpfe nennen die Bauern auf 
unserer Landschaft ihre ^oSen 
Gönner und Schuldherren in der 
Stadt, mit welchen sie öfters 
ihre Landvögte trotzen und mei- 
stern wollen. 

^Traohsinn f. Trabmaß, da man z. 
e. Wein oder Bier nach dem ob- 
rigkeitlichen Maße oder nach der 
Aiche samt den Hefen gibt. 

Tschope m. das Leibchen eines 
Frauenzimmers nach der Basler 
Tracht. It. ein einfältiger Tropf. 

♦Tack m. die Tücke. Einen Tuck 
im Sinn haben. 

♦♦tttgelich tauglich, tüchtig. 

Tnnkis m. Schnidtchenoder Stäbchen 
Brot, womit man Wein, Brühen, 
waiche Eyer u. derg). austunket. 

Tiipfe n. ein dreyfüßiger nidriger 
Deckeltopf. TüpfibeirS(ßchim^fw,) 
der unten mit den Füßen hin- 
auswerts gehet. 

♦♦überäfern neine Nachbaren, über- 
pflügen, Überären oder mit der 
tJacke über den Markstein fahren. 

nberä legen, ttbere nä heißt man 
in der Schule einen bösen Buben 
über die Bank legen und züch- 
tigen. 

'^'äberenzig übrig, überschüssig. 

**iiberhageii seinen Nachbaren, d. 
i. solchen überzäunen, mit dessen 
Zaune auf dessen Marke und 
Land hinausfahren, (bas. Lands- 
ord.) 

äberhaaren sagt man von den 
Fischen, wenn sie über den Laich 
fahren« 

♦♦ttbermorndpigep Tag übermorgen- 
der Tag, perendinus dies. 

Uebername Spottname. In der Welt 
wird man schwärlich mehrere 
Spötter und Spötterinnen antref- 
fen als zu Basel, die in einem 
einzigen Uebemamen die Gebre- 
chen oder Laster einer Person 
mit der feinsten Bosheit auszu- 
drücken und abzuschildern wissen. 
Eben darum erben auch solche 
Uebemamen auf Kinder und 



Eindskinder, so gar, daß ihres 

• wirklichen Geschlechts namens da- 
rüber beynahe vergessen wird. 
Unsere Alten gebrauchten das 
Wort Uebername auch in gutem 
Verstände, nämlich einen Na- 
men anzudeuten, den man sich 
durch schöne Tahten erworben. 

♦•fibernutzeii Jemand, d. i. Einen 
mit Wucher übergreifen oder 
mit Pflügen und Zäunen seinem 
Nachbarn etliche Furchen oder. 
Fußbreit Lands abzwacken. 

aberreif heißt ein Teig, der zu viel 
ffehaben ist. 

Ueperrynemer, üeberryemür die 
jenseits des Beines wohnen. So 
werden die Großbasier von den 
Eleinbaslem und die Eleinbasler 
von den Großbaslem genennt. 

überwindligen nayen zwey Ende 
über einander nähen, daß die 
Naht wie ein Schnürchen heraus- 
kömmt, wie z. e. an groben 
Leintüchern« Das Gegenteil ^eyn 
die sogenannten Gegenstiche 
welche eine flache Naht machen 

**uftr8cheii aufbürden, aufdringen 
Eine Schuld ufträchen culpam in 
aliquem conferre. Einen Grissler 
(sie!) ufträchen ijra,miVimirapo ■ 
nere populo. 

'"umfressen wie des Obervogts 
Geiß von einem Tische zum an- 
dern schmarotzen gehen, als ob 
man das Recht darzu hätte. 

^amschlaheii umschlagen. Eine Die* 
binn umschlagen oder umschlo 
d. i. dieselbe mit dem Trommel- 
schlage durch die Stadt führen 
und als eine Diebinn berüchtigen. 

**aiiabgestriekt unentzogen, unbe- 
nommen, unverweigert, unverbo- 
ten« Sol inen dannochdas Abholz 
unabgestrickt sein, (alte Sehr.) 

*niidiiig8, ndings (Zuwörtchen) sehr, 
häfti^, uding schaffen und sich 
erwetern. Einen udings kapittlen 
d. i. Jemand ärgerlich herunter- 
machen. 

*anft*omin nennet man das unge- 
treue und diebische Gesinde. 



nngäng ungangbar. 
**Uiigeii08 



ngenoBSame werden in unserer 
Landsordnung die Ausländischen 



41 



in Ansebung der Einheimischen 
genennet, nndUngenossamehei&t 
die Verehlichung eines baselischen 
üntertahnen mit einer Auslän- 
länderinn. 

^angesehaffen ungestalt, unge- 
schlacht. 

*Ungeschnef m. MiBgestalt, Mißge- 
schöpfe. 

*aiigewoii ungewohnt. **üngewöne 
f. üngewohntheit. 

♦♦angicBtige Schuld : ungeständige, 
unlautere Schuld. 

nnglescht Geschirr : ungeglastetes 
Geschirre. 

*aiiglypig ungelehrsam; indocilis. 

♦♦Unkosten für die Unkosten. Man 
begehet noch einen andern Fehler 
mit disem Worte, indem man 
solches nicht von Kosten unter- 
scheidet, da doch dises Letstere 
eigentlich sumptum Nohtkosten, 
fraix, jenes aber faux fraix, Ne- 
benkosten, ungenannte Kosten 
bedeutet. Sagt m&n alle Kosten, 
so begreifet man darinn keine Dn- 
kosten. Verspricht man aber, 
alle Unkosten zu bestreiten oder 
zu bezahlen, so wird Beides dar- 
dnrch verntanden. 

ans un«i ; unser unser. Landw. üs,ü8^. 

♦Unterhemde hieB ehdessen, was 
wir jetzt Hemde nennen; und 
Hemde oder Hemmli war der 
Alten Wammes oder Bioi^fleck. 
Unterhemde hei£it auch ein sehr 
vertrauter und geheimer Freund» 
Ein schweizerischer Schriftsteller 
nennte ebde-^sen den ersten Mi- 
nister eines Königs des Königs 
Unterhemde. 

nnzimmiBgessen ohne das Mittags- 
mahl zu genießen, impransus. 

nnznachtgessen ohne zu Nacht zu 
essen, incoenis. 

♦♦Ursächer, Ursächerinn Urheber, 
Anstifter; Urheberinn, Anstifte- 
rinn. Wenn man je Ursachen för 
verursachen sagen dürfte und ein 
Nennwort daher leiten wollte, 
80 müßte es doch heißen : der Ur- 
sacber und die Ui*sacherinn. 

Usschatz Ausschuß der Mannschaft 
zu einem Kriegszuge. II. Auswarf, 
Aiiswürfling. 



verbändelv den Saum eines Ge- 
wands, Vorhangs, Teppichs u.dgl. 
mit Bändeln umnähen oder be- 
legen. 

verDiunsen aufgeblasen, verschwol- 
len, dunsicht. 

*verhrnnipfen verrümpfen. 

^'^verbünstig mißgönstig, neidisch; 
invidus, invidiosus. 

**verbannett mißgönnen, invidere. 

**Verbunst m. Mißgunst, Neid. 

'^verdammte Knte heißt in dem so- 
genannten Mohrenspiele oder 
Kugelspiele junger Bursche eine 
Grube, die Einer aus ihnen mit 
seinem Stocke verhüten muß, daß 
keiner der Cebrigen seine Kugel 
darein spielen möge. Man sagt 
auch in dem Sprücbworte, wenn 
Geld oder Anders übel angewandt 
wird oder sonst verschwindet, 
daß man nicht weiß, wo es hin- 
gekommen : es sey in die ver- 
dammte Kute gefallen. 

^verdampfen dämpfig, feucht, warm, 
schwül, dunstig. 

"^veren^eren sich, sich verheuraten. 
Ist eme Redensart unserer Land- 
leute. Schier aber so drücken sich 
die Waldenser aus ; wenn sie sagen 
wollen : Ich bin so und so viele 
Jahre in der Ehe, so beißt es: 
Je suis embarrasse depuis tant 
et tant d'annäes. 

^vergangen erst neulich, noch nicht 
lange; haud ita pridem. Ver- 
gangen einmal kam er zi mir. 

**vergrendeln mit Grendeln und 
starken Bigein verwahren* Not- 
ker hat Ps. CXLVII 2 fergrin- 
delon. 

verhalten eine Verpfändung ver- 
hehlen und ein versetztes Gut 
nochmals verpfönden und ver- 
schreiben« 

*verLineu vor Schwachheit und 
Ohnmacht dahinfahren, langiiore 
consumi vel perire. verhinen 
sagten die Alten auch von der 
hinfahrenden Zeit. S. Tschudi 
Chr. T. 1, 163 a und II. 284 a. 

♦•verleiten (in gut. Verst.) bewe- 
gen, rühren. Eigentlich ist es 
verführen, in errorem v. peica- 
tum inducere. Gleichwol predi- 



42 



gen etwann Gelehrte : Die Liebe 
nur habe Gott verleitet^ daß er 
seinen Sohn in die Welt sandte. 

**Vepuiäehnnß Vermächtniß. 

**veriQasgeii beflecken. Seit etwann 
100 Jahren ist dis Wort hier 
veraltet. 

vernfigen vergnügen, vernüglich 
vergnüfflicb. 

*vepschlane!i verschlagen. DieSchuel 
verschlacken oder verschlo d. i. 
solche versäumen, dameben her- 
umschleichen, divertcre schola. 

Verschmirzen verschmlBrzen, einen 
Verdruß und Gram verdrücken 
und verschlucken» sich eines Ver- 
lustes trösten. 

vertrampen eben treten, mit Treten 
verderben. So war es ehmals ein 
großes Aergemiß für die Weiber, 
venu man den geblümten Sand 
in den SommeVhäusem und vor 
den Zimmern vertrampte« — Ver- 
tramp das Brot nit am Boden. 

♦vertranken der Trunkenheit er- 
geben. 

*vepuntpeaen verhexen. Sonst ent- 
wenden, stehlen, sufTurari. 

**verantl*euen eine Tochter d. u 
solche um ihr Kränzlein bringen, 
vitiare virginem. 

♦Vierer beträgt zween Rappen. Wird 
nur im Beebnen gesagt. — Von 
einer spätemHand ist hinzugefö^: 
Noch bis 1790 hatte man Vie- 
renbrodt d. i. Viererbrodt, wei- 
ßes Waizenbrodt um den Preis 
eines Vierers = 4 Heller = 2 
Bäppen; es waren immer zwey 
zusammengebachen, die man 
aber leicht von einander brechen 
konnte; man nannte sie dann ein 
Paar Vierenbrodt. 

^vollkommener Rücken ein Buckel 
oder Höcker auf beiden Seiten. 
Ist der Rücken nur einerseits er- 
höhet, so heißt er: nicht gar oder 
schier gar vollkommen« 

**von je weiten liar von Alter her, 
jederzeit. (Ist veraltet). 

Vor^ängerinn Aufwärterinn und 
Pflpgerinn einer Sechswöchnerinn 
und ihres Kindes. 

**VopIaß oder **VorscUnß von 
Weine oder Oele ; Lauterwein, 



LauterÖl ; vinum vel oleum pvo- 
totn^um, prima unda prell. 
**V0P8teIIen einen Sünder, d. i sol- 
chen vor die christliche Gemeine 
stellen, daß er öffentliche Eir- 
chenbnße tuhe und das Urteil des 
Bannes anhöre. Da pflegt man 
nur kurz zu sagen: Der oder die 
ist vorgestellt worden. 

*Wadlef m. Fischreuße von Garne. 

Wahn li^en sagt man von einem 
angebrochenen Fasse, darinnen 
der Wein, wenn man ihn nicht 
wieder auffüllet, verriechet. 

*Waichikammer, da man das ge- 
schwärzte weiße Zeug zum Ein- 
waichen und Waschen aufhebet. 
— Waichipl ander geschwärztes 
weißes Zeug. 

♦Wald für Wälder, s^ylvae. *Hock- 
wäld obrigkeitliche Waldungen. 

Waidenwachs n. der Harwachs, ten- 
do. Von einem Geizigen sagen 
die Basler: Er sey binden von 
Waldenwaclis und vorn von 
Farrenschwänzen, d. i. hart u. zäch . 

*walen durch eine Wahl gehen 
lassen. Er isch wol zwenzig mol 
• gwaalt wordä, ee er ebbis wor- 
den isch. 

Walholz zu feinen Teigen: Walg- 
holz, Wälger. 

warben das GraR, sagen die Land- 
leute um Basel, wenn sie das 
frisch gefällte Gras mit der 
Gabel aus einander schütteln, 
da es dann, wenn es auf einer 
Seite dürre worden, gewandt oder 
gekehrt, femers geschörlet und 
geschöchelt wird. 

**wasmaßen ein veraltetes unnützes 
Förmelchen der Herren Schreiber 
für wie, weichermaßen, welcher- 
sestalt. 

**Wasserordnung obrigkeitliche 
Verordnung, wie es in Wasser- 
nöhten und bey Wasserstürmen 
gehalten werden solle; derglei- 
chen Wasserordnungen hier in 
den J. 1531, 1549, 1602 imd 1686 
herausgegeben worden. 

Webersehliehte f. Brey der Weber, 
womit sie das Garn geschlacht 



43 



machen od^ schlichten und ihre 
Luken verkleistern. Weberschlichte 
nennt man aach einen ange- 
schmelzten groben Brey. 

Wecken m. Weck, Keil. Hartes 
verwimmertes Holz mit eisernen 
oder hölzernen Wecken spalten« 

wegen mit dem dritten Abänderungs- 
falle anstatt des zweyten, cum 
Dativo loco Genitivi. wogendem 
oder jenem wegen dessen oder 
jenes, wegen seinen großen Ver- 
diensten weffen seiner großen 
Verdienste. Wer mehrere Muster- 
ehen verlangt, kan sie bey aller- 
ley Gelehrten finden. 

Weie f. niedliche Beckerkuche, 
Bretzel. 

*Weinwarm n. ist eine Gattung 
Braut- oderKindbetterinnensuppe, 
wozu das Brot würfelicht ge- 
schnidten imd geröstet, hernach 
köstlicher weißer Wein angegos- 
sen und das Gelbe von Eyem 
darunter geklopfet, endlich auch 
. nach langem Bühren gestoßener 
Zucker im üeberflusse getabn 
wird. 

weißt seit, er weiß. 

**Weitwaide Gemeinwaide , pas- 
cuum commune. -- Eine spfttere 
Hand fügt hinzu: Wird, wenn 
ich nicht irre, mehrenteils nur 
von klaren (ä arbres clair-semÄ) 
Wäldern, besonders Eichwäldern, 
gebraucht, welche als Weide zu- 
gleich benützt werden. 

Werg, Werch n. heißt man in 
Deutschland den Abgang oder 
Auswurf des Hanfes nach dem 
Hecheln ; zu Basel aber den rei- 
nen Hanf Selbsten. 

**Werknieistep heißt an dem Lohn- 
amte der Obermeister und Auf- 
seher über die Männer und über 
den obrigkeitlichen, zu ihrem Be- 
i-ufe gehörigen Vorraht. 

**weserich artig, ränklich, nied- 
lich. 

* Wette f. Schwemme, Enten weyer. 
Frau, euer Kind het ä Wette 
gmacbt. — Dazu bemerkt eine spä- 
tere Hand: Das nämliche mit 
Sehweite (was man jetzt braucht, 
Wette hörte ich nie), wenn 



Wasser oder Wein auf einem 
Tische oder auf dem Boden in 
Menge verschüttet wird. 

Wetterlaich m. Blitz, fulgur. Die 
Alten haben auch Wetterlach 
geschrieben. 

** weyse, Weysheit ist der geziemende 
Titel eines Stadtrichters oder 
Schuldheißen. Für ein Haubt des 
Standes gehöret mehr. (s. hoch- 
weyse). 

Wickerlein oder Todtenvögellein 
nennen abergläubische Leute ein 
Nachtvögelchen, welches sich et- 
wann vor ein Fenster setzet und 
seinen wilden Gesang zwitschert, 
welcher die Bedeutung haben soll, 
daß in kurzem Jemand aus dem 
Hause sterben müsse. 

**Wid©rsächer der Widersacher, 
adversarius, und die Widersacher, 
adversarii. 

*Weechten, Weechtenen Schneetie- 
fen wie in Tählern, Hohlwegen 
u. dergl., da der Wind vielen 
Schnee ^usammengeweht hat. -- 
Eine spätere Hand fügt bei: Süd- 
lich vom Paßwang ist im Gant. 
Soilothurn ein kleiner Alphof in 
der Wiechten genannt, welcher 
seiner Lage nach im Winter ein 
solches Schneeloch sejrn mag. 

W^ilds ein unehliches Kind, wild 
nennen die Alten, was ihnen un- 
bekannt war. Ein Wildes ist all- 
so ein Kind, dessen Vater man 
nicht weiß oder nicht wissen darf. 

**Willfahr f. Willfahrung. gnädiger 
Willfähr erwarten. 

*Wingert m. Weingarten, Rebgarten. 
Wvnzler{hai,n&w,) Rebschütze, der 
die Weinberge hütet. 

*Wirriwerri n. Gewirre, verworre- 
ner Handel, daraus man bald nicht 
klug werden kan. 

wirser weher, schmerzlicher. Der 
Schimpf tuht ihm wirser als die 
Geldstrafe. 

Wisbanm der Bindbaum auf einem 
mit Heu oder Garben beladenen 
Wagen. So heißt auch in den 
alten deutschen Bibeln ein We- 
berbaum, liciatorium. 

**Wittib vidua spricht und schreibt 
man anderswo wie zu Basel, aber 



44 



wider die Regeln der Abteilung, 
für Wittwe oder Wittfrau. 

Wittlin^ viduus ist nach den Regeln 
der Ableitung oder Zusammen- 
setzung so ffut gesagt als Witt- 
wer oder Wittroann. 

**woledeI wird bey öffentlichen An- 
reden von unverständigen ohne 
Bestimmung gebraucht. Einer 
Versammlung von Herren Sech- 
sem aus den Handelsleuten sollte 
diser Titel angomessen seyn. 

**wolfiipnemein altfränkischer Titel, 
der undeutlich lautet und nichts 
saget. Darfür könnte man etwann 
hohedel oder woledel gebrauchen. 

Worb n. Stiel, Griff oder Wurf einer 



Wor^erlein kleines Männerhalstuch 
mit einer Schnalle, Hafte oder 
Knöpfen. 

Wouwou m. Popanz, womit man 
die Kinder schrecket. 

wttest Tier ein pöbelhafter Schimpf- 
name nur für gewisse Weibsge- 
schöpfe. Zuweilen soll es gar 
eine Schmeicheley bedeuten. 

Wueschten m. Husten, tussis, — Lun- 
ken und Lebern usen wueschten. 

Wuhr n. Damm, Teich ; agger, fossa» 
Das Wort soll man gelten lassen. 

**WttildePgäb wundergierig, für- 
witzig. 

**WttiidePffäby f. Fürwit». 

•*Wttiik ich oder er winkte, gab 
einen Wink. 

*Wlipgerleiii kleine Hauspastetchen. 

wnrmfiBi^ wurmicht, wurmfräßig. 
wurmstichig ärgert einen Hoch- 
deutschen noch mehr. 

yko einkommen, sich erhohlen: Er 
isch sys Schades wol yko. 

**Ylp m. Elephant^ *Ylpendputsch 
erzplumper Kerl. 

^zackeren zu Acker fahren, proscin- 
dere terram aratro. 

Zeeklein Abfall des Hanfs, stupa. 
Sy Seel isch imemä Zeckli ver- 
wicklet sagt man von Einem, der 
seinen Erben die Weile lang macht. 

Zehenden m. für der Zehnde oder 
die Zehenden; decimae. 

*zehenden zehnden, den Zehnden 



bezahlen oder einziehen; decimare. 

zeng zu enge. So hat man noch 
im vorigen Jahrhundert auch ge- 
schrieben. 

*zer8Chieden verschieden , unter- 
schiedlich 

^Zengkerren die über das Zeughaus 
verordneten Herren, die in leiden 
regirenden Häubtern und zween 
Rähten, nämlich einem Klein- und 
Großrahte bestehen. 

Zengwart der zur Verwahrung des 
in dem Zeughause befindlichen 
Kriegs vorrabtes bestellte Wächter 
und Wärter, der zu disem Ende 
seine Wohnung in demselbigen 
hat. 

Zinke m. Hyacint, hyacinthus, eine 
wolriechende Frühlingsblume von 
etwann 70 Gattungen* 

zirlen mit einem Papir, Lappen, 
Bändel oder dergleifhen tändeln 
oder daran ropten wie die Kinder. 
Man sag es auch von Leuten, 
die bald verscheiden wollen und 
zum Wahrzeichen an dem Lein- 
lachen oder Kissen ziehen, winden 
und drehen. 

Zittrab n. Zittermahl, Zitterflechte, 
impetigQ, liehen. Die Sachsen 
nennen es auch sehr undeutsch 
eine Zitracht. 

Zobeli n. kleiner Zobel ; ein unehr- 
barer Schimpfname muhtwilliger 
und loser Mägdchen. 

zöberst zu oberst. Er isch zöberst: 
sein Zorn könnte nicht größer 
seyn. 

Zoller Zöllner. Das Erstere ist sprach- 
richtig, das Andere üblicher. 

*Zollig m. eine Züchtigung in der 
Schule, die ein strafbarer Junge 
mit der Ruhte ein- oder mebr- 
mal auf der flachen Hand aus- 
halten muß. Vor disem hieß es 
ein Tolle, 

*z'paer8 hart an einander. Die Hü- 
ser und Güeter sind zruers an 
einander; punctim, (Landw.) 

*z'tieiid zu tuhn. Hesch nüt ztiend 
hast du nichts zu schaffen ? Aleni. 
ze tuende. Er isch mir eppis 
ztiend (er ist mir etwas schuldig), 
i mueß ämol mit ihm gritaen« 



45 



2U wird in wenigen Bedarten 
für gen^ versus, mißbraucht« I 
will ze Peter d. i. gen Sankt Peter, 
in Sankt Peters Quartier. I gang 
%ue Peter mein Kirchgang ist zu 
Sankt Peter. 

"^züinftiff sagen unsere Bauern für 
höflich. 

die Zange schaben sagt man sprüch- 
wörtlich von Leuten, denen nichts 
gut genug ist. Das Gleichnißist 
von den Kühen hergenommen, 
welche viele Würmer auf der Zunge 
haben und nicht eher essen und 
trinken, als bis ihnen der ün- 
raht von der Zunge geschabt 
worden. 

^'^Znsammenwtisnng heißt, wenn 
der Richter zween streitige Teile 
in eine Teidigung oder Gütig- 
keit verweiset. 

"^Zwatsehge f. der Quast von Haren, 
Wolle, Seide, Binsen u. dergl. 

z weglegen zurechtlegen, an die Hand 
legen, in Bereitschaft legen, wie 
z. E. einem Schneider oder an- 
dern Arbeiter, damit er nicht auf- 
gehalten weide und keine Zeit 
verliei-e. Alle Lüt zweglegä heißt 



Jedermann richten und beurteildä 
und eine spöttische Auslegung 
über ihre Eigenschaften machen. 

Zweifelstrick ein zierlich gefloch- 
tener Kunstzug, womit die Schreib- 
meister zuweilen eine Schrift be- 
schließen. It. ein verworrener 
Handel. 

*Zwetzen nennen die Bauern zu 
Äugst die alten Münzen, welche 
sie da herum aus der Erde graben. 

"^^Zwinganken m. heißt der Drittel, 
welcher von aller Butter, die 
durch Basel gefuhrt wird und über 
zehn Pfund beträgt, in dem Kauf- 
hause zurückbehalten und auf 
Rechnung des Eigentümers durch 
den Waagmeister um einen Vie- 
rer oder zween Bappen unter dem 
marktlänfigen Preise verkauft 
wird. 

zwurig (Landw.) doppelt. 

**Zyt n, Lebenszeit. Brüeder und 
Schwöstem, die von Gott uß 
disem Zyt berüefft sind, (basel. 
K. 0. von 1626). Das Landvolk 
sagt auch das Zyt für ühr, 
Schlaguhr oder Sonnenuhr. 



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